Wirtschaft : Gewinner im schrumpfenden Textilmarkt

Ost-Unternehmen bauen Produktionsanteil aus / Marktposition insgesamt dennoch schwach BERLIN (fbs).Die ostdeutschen Textilunternehmen konnten ihren Anteil an der gesamtdeutschen Textilproduktion bei insgesamt stark schrumpfendem Markt 1996 beinahe verdoppeln.Der Anstieg von 3,6 (1992) auf 6,7 Prozent hängt vor allem mit einer überproportionalen Steigerung der Exportquote der Ost-Textilbranche auf 19 Prozent (1992: 17,4 Prozent) zusammen.Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).Die Expansion im Textilgewerbe werde jedoch durch die stagnierende Produktion in der nachgelagerten Bekleidungsindustrie gebremst, deren Anteil an der gesamtdeutschen Produktion marginal sei (2,3 Prozent). Gleichzeitig verringerte sich die Beschäftigung im ostdeutschen Textilgewerbe zwischen 1992 und 1996 auf etwa die Hälfte, in der Bekleidungsindustrie sogar auf ein Drittel.Trotz der Produktionsausdehnung und des drastischen Personalabbaus erreicht das ostdeutsche Textilgewerbe jedoch nur die Hälfte der Produktivität der westdeutschen Branche.Im Bekleidungsgewerbe erreichte sie gerade mal zwei Fünftel des westdeutschen Vergleichswertes. Obwohl der Textilbereich zu den ostdeutschen Branchen gehört, in denen die Tariflöhne bisher nur gering an die westdeutschen Löhne angeglichen wurden, übersteigen die Personalkosten noch immer die Bruttowertschöpfung, berichtet das IWH.Durch diese ungünstige Relation ergebe sich ein "ausgeprägter Wettbewerbsnachteil" gegenüber dem Westen, so das Institut weiter.Die Ost-Unternehmen hatten vor dem Hintergrund des schrumpfenden Marktes zudem kaum die Möglichkeit, höhere Kosten auf die Preise umzuwälzen.Der tarifliche Stundenlohn im Textilgewerbe beträgt gegenwärtig 12,52 DM, das sind 71 Prozent des Tarifssatzes von Baden-Württemberg.In der Bekleidungsindustrie liegt der Tariflohn mit 9,62 DM niedriger und auf nur 63 Prozent des bayrischen Vergleichswertes. Die Schere zwischen Tariflöhnen und effektiv gezahlten Löhnen klafft dabei nicht so weit auseinander wie in anderen Branchen, so der IWH-Bericht.Sowohl in der Textil- als auch in der Bekleidungsindustrie entspricht die Anpassung der Effektivlöhne dem durchschnittlichen Angleichungsniveau der Ostindustrie an den Westen.Der Anteil der Unternehmen, die unter Tarif bezahlen, ist in der Ost-Textilbranche jedoch mit 47 Prozent überdurchschnittlich hoch.In der gesamten ostdeutschen Industrie waren dies lediglich 41 Prozent. 1992 übertrafen die Personalkosten im Textil- und Bekleidungsgewerbe die Bruttowertschöpfung noch um mehr als das Doppelte, die Lohnstückkosten lagen um das dreifache über dem westdeutschen Wert.1996 sei diese Belastung zwar geringer geworden, das IWH erwartet jedoch, daß die Unternehmen verstärkt rationalisieren und ihren Personalbestand weiter abbauen.

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