Wirtschaft : Gewinnexplosion bei den Konzernen

Studie über die Entwicklung von Strompreisen und Unternehmensprofite in den vergangenen fünf Jahren

Alfons Frese

Berlin - Strompreise um 50 Prozent gestiegen, gleichzeitig Gewinne verdreifacht – so lässt sich eine Studie über die Entwicklung der großen Stromkonzerne zusammenfassen. Vattenfall Europe zum Beispiel kam 2002 auf 569 Millionen Euro Gewinn vor Steuern. In diesem Jahr werden es schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro sein. Diese Summe veranschlagt jedenfalls Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes in einer Studie über die Entwicklung der vier deutschen Energieversorger Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. „Dabei stellte sich heraus, dass bei RWE seit 2000, bei EnBW und Vattenfall seit 2003 eine Gewinnexplosion zu verzeichnen ist“, heißt es in der Untersuchung, die Leprich im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen erstellte. Bei Marktführer Eon sei die Entwicklung differenzierter, weil zwischenzeitlich Wertberichtigungen auf Beteiligungen den Gewinn gedrückt hätten.

Die Strompreise für die privaten Haushalte sind danach zwischen 2002 und 2006 um rund 50 Prozent gestiegen. Abnehmer aus der Industrie mussten sogar bis zu 78 Prozent mehr bezahlen. Weniger als die Hälfte des Anstiegs geht dabei auf staatliche Steuern und Abgaben zurück, der überwiegende Teil ist „unternehmens- und marktinduziert“, wie Leprich schreibt.

Die hohen Preise erklärt Leprich vor allem auch mit der Marktmacht der Konzerne. So betrage ihr Anteil an den Stromerzeugungskapazitäten rund 85 Prozent. „Ihr Anteil an der direkten Endkundenversorgung liegt je nach Zuordnungsmethodik zwischen 56,8 und 71,4 Prozent“, heißt es in der Studie weiter. Zuzüglich der Beteiligung an Stadtwerken ergäbe sich für die vier Großen „ein Einfluss auf mehr als 80 Prozent des Endkundenmarktes“. Eon, RWE, Vattenfall und EnBW seien an mehr als 40 Prozent aller Stadtwerke und Regionalversorger beteiligt.

Von der Gewinnentwicklung profitieren auch die Aktionäre. Am besten entwickelte sich die RWE-Stammaktie, deren Wert sich seit 2002 vervierfachte. Das Eon-Papier verteuerte sich um das Dreieinhalbfache, und die EnBW-Aktie „hat sich seit ihrem Tiefpunkt im Jahr 2003 mehr als verdoppelt“, schreibt Leprich. Schwer vergleichbar ist das mit Vattenfall. Der schwedische Staatskonzern Vattenfall AB hatte seine deutschen Töchter Bewag, HEW, Veag und Laubag 2002 zur Vattenfall Europe AG zusammengefasst. Die Schweden halten gut 97 Prozent der Aktie. Die restlichen freien Aktionäre können sich immerhin über eine Kurssteigerung um das Zweieinhalbfache seit Ende 2002 freuen.

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