Gewinnprognose gesenkt : Die Krise erreicht Siemens

Siemens gerät immer stärker in den Sog der Wirtschaftskrise. Der Technologiekonzern senkt die Gewinnprognose und erwartet keine schnelle Erholung.

Corinna Visser

Berlin - Im abgelaufenen Quartal konnte der Technologiekonzern Siemens Umsatz und Ergebnis zwar noch steigern, doch das wird sich ändern: Der Auftragseingang ging im Vergleich zum Vorjahresquartal bereits um elf Prozent zurück. „Die Krise kommt auch bei Siemens an“, sagte Vorstandschef Peter Löscher bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen in Berlin. „Aber Siemens ist nicht in der Krise.“ Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres, das am 30. September endet, lag das Ergebnis der drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit noch bei 1,8 Milliarden Euro.

Dennoch musste das Unternehmen seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr zurücknehmen. Siemens geht zwar davon aus, dass das Ergebnis der Sektoren über dem des Vorjahres in Höhe von 6,6 Milliarden Euro liegen wird. Ursprünglich war der Konzern aber von einem Ergebnis zwischen 8,0 Milliarden und 8,5 Milliarden Euro ausgegangen. Bereits der Beginn des dritten Quartals lief nicht gut: „Das Bild im April zeigt erneut fundamentale Veränderungen zum Schlechteren in unserem gesamtwirtschaftlichen Umfeld“, sagte Löscher. Siemens stelle sich für die kommenden Quartale auf eine zunehmend abflauende Entwicklung ein.

Bisher zeigte sich der Konzern robust gegenüber der Krise. Der Umsatz wuchs im zweiten Quartal um fünf Prozent auf knapp 19 Milliarden Euro. Unterm Strich blieb ein Gewinn von rund einer Milliarde Euro. Und noch hat der Konzern Aufträge im Volumen von 87 Milliarden Euro in den Büchern. Bisher folgte Siemens immer dem Ziel, doppelt so schnell zu wachsen wie die Weltwirtschaft. Die Prognose, auf die sich Siemens bezieht, liegt derzeit bei einem globalen Minus von 2,5 Prozent. Finanzchef Joe Kaeser erwartet jedoch nicht, dass der Siemens- Umsatz schrumpfen wird. „Ich gehe aber auch nicht von einem nennenswerten Wachstum aus“, sagte Kaeser.

Der Sektor Industrie ist bisher vom Konjunktureinbruch am härtesten betroffen. In dem Bereich sind so unterschiedliche Geschäfte wie die Industrieautomatisierung, die Lichttechnik (Osram), die Verkehrs- und Gebäudetechnik sowie der Stahlwerksbau zusammengefasst. Osram zum Beispiel leidet unter der sinkenden Nachfrage der Autoindustrie. Nun wird auch das Geschäft im Sektor Energie – dazu gehören Turbinen- und Kraftwerksbau, Energieübertragung und -verteilung – schwieriger. „Je länger die Krise andauert, desto mehr werden vermutlich auch Energie-Infrastrukturprojekte zeitlich gestreckt“, sagte Löscher. Nennenswerte Stornierungen gebe es allerdings noch nicht. Im Gesundheitsgeschäft ist Siemens nach eigenen Angaben zum Weltmarktführer vor General Electric aufgestiegen. Dennoch ist auch dieser Markt angespannt, da auch den Krankenhäusern das Geld für Investitionen fehlt.

Mit einem neuen Sparprogramm müssen die weltweit 416 000 Mitarbeiter, 130 000 davon in Deutschland, im Moment dennoch nicht rechnen. Löscher betonte, dass Siemens im Geschäftsjahr auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten wird. Allerdings werde Siemens die Kurzarbeit ausweiten. Aktuell arbeiten 12 000 Mitarbeiter kurz. Für weitere 7000 ist Kurzarbeit bereits vereinbart. Betroffen ist vor allem der Sektor Industrie und hier auch Osram.

Bei Osram in Berlin wird bereits seit November kurzgearbeitet. Derzeit sind hier 1000 der insgesamt rund 2000 Mitarbeiter betroffen. Bei Arbeitnehmervertretern geht man davon aus, dass mindestens bis Ende des Geschäftsjahres im September kurzgearbeitet wird. Ob die Zahl der betroffenen Mitarbeiter weiter ansteigt, sei aber noch offen. Außerdem arbeiten in Berlin 200 Mitarbeiter im Schaltwerk Niederspannung kurz.

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