Gewinnsprung : Tui baut die Touristik aus

Der Tui-Konzern sonnt sich trotz der bevorstehenden Zerschlagung im Erfolg. Der Hapag-Lloyd-Verkauf macht den Konzern schuldenfrei.

Eberhard Krummheuer (HB)

Hannover Für 2007 berichtete Tui-Vorstandschef Michael Frenzel in der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Hannover von deutlichen Gewinnen in den beiden Bereichen Touristik und Schifffahrt. Optimismus äußerte er auch für das laufende Jahr, in dem die hundertprozentige Reederei- Tochter Hapag-Lloyd aus dem Konzern gelöst werden soll: Beide Sparten seien so gut aufgestellt, dass sie sich auch getrennt positiv weiter entwickeln würden.

„Wir haben ein gutes Jahr 2007 hinter uns, wir sind mit einem Ergebnissprung in die Gewinnzone zurückgekehrt“, sagte der Konzernchef. Operativ kommt der Konzern bei dem um sieben Prozent auf knapp 22 Milliarden Euro gestiegenen Umsatz auf ein Ergebnis (Ebita) von 616 Milliarden Euro nach 419 im Vorjahr. Das erreicht damit jedoch erst in etwa die Hälfte dessen, was Frenzel in früheren Jahren als Unternehmensgewinn prognostiziert hatte. Das Konzernergebnis liegt bei 236 Millionen Euro.

Trotz der Rückkehr in die Gewinnzone gehörte die Tui-Aktie am Dienstag zu den wenigen Verlierern im Dax. Händler erklärten, Investoren hätten die guten Nachrichten als Gelegenheit zu Verkäufen genutzt.

Nach dem Beschluss des Aufsichtsrates von Montag wird sich die Tui von der von Frenzel seit einigen Jahren propagierten Zwei-Säulen-Strategie verabschieden und nur noch als Touristikkonzern agieren. „Wir sind nach einer langen Reise da angekommen, wo wir eigentlich hinwollten“, sagte der Tui-Chef am Dienstag.

Faktisch vollzog er damit jedoch eine komplette Wende seiner bisherigen Strategie. Bis zuletzt wollte er die Verschmelzung von Tui und Hapag-Lloyd herbeiführen. Nach heftigem Widerstand auf der Aktionärsseite, angeführt von dem norwegischen Reeder und Fünf-Prozent-Anteilseigner John Fredriksen, knickte der Vorstand vollständig ein. Er habe „proaktiv“ einen anderen Weg gesucht, um eine unkontrollierte Zerschlagung des Konzerns zu verhindern – und dieser Weg sei die Trennung von Hapag-Lloyd. Frenzel machte deutlich, dass er weiter das Zwei- Säulen-Modell bevorzugt hätte. Es habe sich aber gezeigt, dass eine breite Mehrheit der Aktionäre dagegen war. „Man kann ein Unternehmen nicht auf Dauer gegen die Investoren führen“, sagte er. Den neuen Kurs könne er voll mittragen: „Wir glauben an die Ergebnispotenziale der Touristik, sonst dürften wir das nicht.“

Völlig offen sei, wie die Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd, deren Buchwert laut Angaben aus dem Unternehmen bei 3,5 Milliarden Euro liegt, aus dem Konzern gelöst werden soll. Im Konzern wird offensichtlich ein Verkauf vor einer Fusion als schnelle Lösung bevorzugt. Frenzel machte klar, dass er Überlegungen Hamburger Finanzinvestoren, die Schifffahrt als deutsches Unternehmen zu erhalten, sehr begrüße. Letztlich entscheide aber der Preis, Kontakte gebe es noch nicht.

Mit der Trennung von Hapag-Lloyd werde die Tui schuldenfrei. Das gebe Möglichkeiten, in der Touristik neue Aktivitäten zu entfalten. So soll das Hotelgeschäft ausgebaut werden, möglicherweise über den Erwerb einer Hotelkette. Die Tui will sich auch umsehen, ob sie Spezialisten unter den Reiseveranstaltern aufkaufen kann. Aus unternehmensnahen Kreisen heißt es dazu, es werde an eine Übernahme des Last-Minute-Anbieters L’tur gedacht. An ihm haben Tui und Wettbewerber Thomas Cook derzeit eine Minderheitsbeteiligung.

Das künftige Kerngeschäft Touristik erreichte 2007 ein operatives Ergebnis von knapp 450 Millionen Euro. 2008 habe die Sparte quer durch Europa einen guten Start in die entscheidende Sommersaison hingelegt, sagte Frenzel. Der Bereich soll im Umsatz von derzeit 15,3 Milliarden auf 19 Milliarden Euro wachsen.

Die Schifffahrt profitierte von dem erwarteten Anstieg der Frachtraten und der erfolgreichen Integration der vor zwei Jahren erworbenen britisch-kanadischen Reederei CP Ships. Das operative Ergebnis wuchs um 125 Prozent auf 183 Millionen Euro.Eberhard Krummheuer (HB)

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