Wirtschaft : Gezeichnet von der Enttäuschung und vom Stress der letzten Tage

Rolf Obertreis

Vor fast genau vier Wochen hatten sich an dieser Stelle im vornehmen Atrium der Dresdner Bank Rolf Breuer und Bernhard Walter die Hand geschüttelt und in die Kameras gestrahlt. Hinter den beiden Bankern leuchteten damals die blauen und grünen Logos ihrer Häuser. Jetzt ist das blaue Logo verschwunden, genauso wie Walters Ex-Partner Breuer. Er muss sich mit seinem Nachfolger zufrieden geben. Walter und der 53-jährige Bernd Fahrholz schütteln sich die Hände, lächeln verkrampft in die Kameras. Ein paar Minuten später spricht Walter auf seiner letzten Pressekonferenz von Aufbruchstimmung. Der Ton und die Mienen Walters wie die seiner Vorstandskollegen sprechen eine andere Sprache. Die Banker sind blass. Übermüdet, gezeichnet von der Enttäuschung und vom Stress der vergangenen Tage. Den 50 000 Mitarbeitern jedenfalls vermitteln sie alles andere als das Bild einer schlagkräftigen Führungstruppe. Bernd Fahrholz, ab 1. Mai neuer Chef des Unternehmens, kann diesen Eindruck nicht verwischen. Zur künftigen Strategie sagt er kein Wort. Er müsse erst mit seinen Vorstandskollegen reden. Walter will sich eigentlich eine umfangreiche Nachbetrachtung schenken. Er wolle keine "Schlammschlacht", sagt der 59-jährige Schwabe. Ob er menschlich enttäuscht sei? "Nein. Zumindest nicht von Herrn Breuer. Wir haben sachlich diskutiert und sachlich entschieden". Doch Walter lässt keinen Zweifel daran, wer seiner Ansicht nach den Schwarzen Peter in diesem peinlichen Fusionsspiel hat: Der Vorstand der Deutschen Bank. Von einem fairen Zusammengehen sei man am 9. März ausgegangen. Die Deutsche Bank habe diese Basis schon eine Woche später verlassen. Da habe er, sagt Walter, aus der Zeitung erfahren, dass Breuer Kleinwort Benson doch verkaufen wolle. Was Walter nicht sagt, bestätigt sich immer mehr: Die Deutsche Bank hat nicht mit offenen Karten gespielt. Dafür spricht auch, dass sie noch Ende vergangener Woche einen hochrangigen Mitarbeiter von Kleinwort Benson zu sich geholt hat, obwohl in der Fusionsvereinbarung ein Abwerbeverbot verankert war. Ärger und Verbitterung, das klingt aus Walters Worten. Aber auch ein Stück Ratlosigkeit. Die Bank, sagt Walter, wolle vorerst den Weg als eigenständige Beraterbank weitergehen. Wie lang das gut gehen kann, weiß er nicht. Übernahmegerüchte machen schon wieder die Runde. Andererseits fragt man sich, warum die Dresdner Bank nicht alleine vorankommen soll. Bei Milliardengewinnen und bei einer Eigenkapitalrendite, die so viel schlechter als die der Deutschen Bank auch nicht ist. Bernhard Walter wird das alles, man merkt es deutlich, schon bald nur noch wenig berühren. Vom 1. Mai an hat er Zeit, sein Golf-Handikap zu verbessern.

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