Wirtschaft : Gezielte Spekulation um Kirchs Schulden

Henrik Mortsiefer

Leo Kirchs Schulden beherrschen die Nachrichten. Jeden Tag ein neuer Wasserstand: Zuletzt erreichten die Schätzungen sechs Milliarden Euro, die der Medienkonzern seinen Banken schuldet. Diese Summe räumt selbst Kirch ein. Gegenstand von Spekulationen sind dagegen Zahlungsverpflichtungen, die ihm drohen, weil Partner Beteiligungen an Gemeinschaftsfirmen zurückgeben wollen - und dafür von Kirch Cash verlangen. Die Rede ist von 2,5 Milliarden Euro, mindestens. Am Montag wurde eine neue Summe gehandelt. Kirch soll insgesamt 13 Milliarden Euro Bankschulden und Verbindlichkeiten aufgehäuft haben. Ist das Panikmache oder nur ein Teil der Wahrheit, die uns bald überraschen wird? Erreicht der Fall eine neue Dimension?

Die Rechnung, nach der Kirchs Finanznot genau doppelt so groß ist wie bisher angenommen, macht stutzig. Kirch hat enorme finanzielle Verpflichtungen, gewiss. Aber er hat auch weiterhin Einnahmen - sei es im laufenden Geschäft oder durch Verkäufe von Unternehmensteilen. Wer alle künftigen Zahlungen addiert und die Einnahmen ausblendet, dramatisiert Kirchs Schieflage.

Ebenso wenig plausibel bleiben zwei zusätzliche Milliarden, die Kirch angeblich Banken schuldet. Welchen Banken eigentlich? Die jüngste Schuldenrechnung weckt deshalb einen Verdacht: Diejenigen, die sie aufgestellt und ein Interesse an ihrer Veröffentlichung haben, wollen mit Kirch abrechnen - ohne Rücksicht auf verlässliche Zahlen. Einzig das schwache Dementi der Kirch-Gruppe ließ am Montag Zweifel daran aufgekommen, dass es sich nicht um eine Spekulation von interessierter Seite gehandelt haben könnte.

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