Wirtschaft : Gigantische Nachfrage, marode Häfen

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Ein Grund dafür ist natürlich die Korruptionsaffäre bei VW. Der Autokonzern wollte im südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh ein neues Werk bauen. Der Bundesstaat hat zwei Millionen Euro in das Unternehmen „Vashishta Wahan“ („VW“) investiert, das angeblich die Fabrik bauen sollte. Wahrscheinlich war das aber eine Tarnfirma von Helmuth Schuster, dem ExPersonalvorstand der VW-Tochter Skoda. VW hat die Expansionspläne jedenfalls erst mal gestoppt.

Gibt es auch solide Gründe, die für Indien sprechen?

Eine ganze Menge. Indien ist ein gigantischer Markt. Mit 1,1 Milliarden Menschen ist es nach China das bevölkerungsreichste Land der Welt. Und die Menschen sind jung: 2002 waren mehr als ein Drittel unter 15 Jahren. Es gibt viele gute Universitäten und entsprechend viele Ingenieure, IT-Spezialisten und Wissenschaftler. Das Angebot an Arbeitskräften dürfte sich Schätzungen zufolge bis 2020 jedes Jahr um rund 15 Millionen Menschen erhöhen. In nur zwei Jahren würde Indien also ein zusätzliches Arbeitskräfteangebot bekommen, das dem gesamten deutschen Angebot entspricht.

Ist denn alles super, oder gibt es auch Probleme?

Viele sogar. Viele Investoren schimpfen über die langwierige Bürokratie, außerdem macht die komplizierte Arbeitsgesetzgebung einigen Unternehmen zu schaffen. Und auch die Infrastruktur lässt zu wünschen übrig: Indien hat zwar das größte Verkehrsnetz der Welt – es ist doppelt so lang wie das Chinas – aber viele Straßen sind in einem so desolaten Zustand, dass lange nicht so viele Güter transportiert werden können wie in China. Außerdem sind viele Hafenanlagen, Flughäfen und das Schienennetz marode. Und der Strom fällt oft aus. Darum haben indische Politiker Investoren aufgefordert, in die Infrastruktur zu investieren. In den nächsten Jahren braucht das Land dafür 150 Milliarden Dollar.

Woher wissen Investoren, dass ihr Geld nicht genauso versickert wie Wasser in den löchrigen Straßen?

Das Land ist politisch stabil und hat von den britischen Kolonialherren das solide Rechtssystem übernommen. Investoren haben inzwischen größeres Vertrauen in Indien als in Deutschland. In den vergangenen Jahren sind durchschnittlich runddrei Milliarden Dollar pro Jahr an ausländischen Direktinvestitionen nach Indien geflossen. Es könnte noch viel mehr werden, wenn das Land die Märkte weiter liberalisiert, meinen Experten. pet

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