Wirtschaft : Gläserne Postbank

Stiftung Warentest: Freie Vertreter der Bank können Girokonten einsehen / Geldinstitut dementiert

Henrik Mortsiefer
306915_3_xio-fcmsimage-20091026222626-006000-4ae61402b7ed1.heprodimagesfotos84120091027postbank3.jpg
Im Visier. Datenschützer und Warentester werfen der Bank vor, Kundendaten für Vertriebszwecke missbraucht zu haben. Foto: ddpddp

Berlin - Postbank-Kunden, die bei Deutschlands größter Privatkundenbank eines von rund fünf Millionen Girokonten haben, können sich ihrer Daten offenbar nicht sicher sein. Die Stiftung Warentest warf der Bank am Montag vor, Tausenden ihrer freien Handelsvertreter detaillierten Einblick in Millionen Girokonten zu gewähren – auch ohne Zustimmung der Kunden. Die Postbank wies die Darstellung zurück. Die Datenschutzbehörde kündigte eine Prüfung an.

Laut Stiftung Warentest dient die interne Anweisung der Postbank Vertriebszwecken: Die Kontodaten sollen den etwa 4000 freien Vertretern den Verkauf von Geldanlageprodukten erleichtern. Die Mitarbeiter der 2006 gegründeten Postbank Finanzberatung AG vertreiben Produkte der Postbank und der BHW Bausparkasse. Um auf die Daten der Girokonten zugreifen zu können, brauchen die Vertreter nach Angaben der Stiftung nur den Namen und das Geburtsdatum von Kunden in eine Datenbank einzugeben. „Dann können sie nicht nur sehen, wie viel Geld ein Kunde auf dem Konto hat, sie haben ebenso Einsicht in alle Kontobewegungen.“ Der von der Stiftung herausgegebenen Zeitschrift „Finanztest“ liegen auch Kontodaten und Briefwechsel verschiedener Prominenter vor, unter anderem von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner und vom Ex-Präsidenten von Borussia Dortmund, Gerd Niebaum.

Die Postbank wehrte sich gegen den Vorwurf mit dem Hinweis, das beschriebene Verfahren der Datenweitergabe entspreche nicht den Tatsachen. In einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme heißt es, das tatsächlich in der Praxis angewandte Verfahren sei in der Vergangenheit nicht beanstandet worden. Die für die Bank tätigen mobilen Handelsvertreter träten ausschließlich im Auftrag der Postbank als Finanzberater auf. Für die anlassbezogene Weitergabe von Kundendaten sei keine gesonderte Einwilligung des Kunden erforderlich, da die Datenerhebung, Verarbeitung und Nutzung im Rahmen der Vertragsbeziehung erfolge. Die Berater erhielten nur die Zugriffe, die sie für die Erledigung ihrer Aufgaben benötigten. Ein genereller Download von Kundendaten sei technisch ausgeschlossen.

Die zuständige nordrhein-westfälische Datenschutzbehörde hält das Vorgehen dennoch für illegal. „Wir prüfen das“, sagte eine Sprecherin der Behörde, der mehrere Beschwerden vorliegen. „Sollte es tatsächlich so sein, dass freie Kundenberater Einblick in die Daten hatten, obwohl keine Erlaubnis erteilt wurde, ist das unzulässig.“ Selbst wenn eine solche Einwilligung vorliege, rechtfertige das nicht den Blick in Kontobewegungen.

Sofern es zu Verstößen gekommen sei – etwa im Fall der Prominenten – werde die Postbank „entschieden dagegen vorgehen und unmittelbar strafrechtliche Schritte ergreifen“, kündigte die Bank an. Damit hätten Finanzberater gegen geltendes Recht und ihren Vertrag verstoßen.

Die Postbank, seit 2004 an der Börse, hatte 2006 von der Post 850 Filialen übernommen und die Mehrheit an der Bausparkasse BHW erworben. „Dabei sind offenbar, wie bei solchen Beteiligungen üblich, Daten konzernübergreifend weitergegeben worden, ohne dass die Kunden informiert wurden“, sagte ein Warentest-Sprecher. Die Postbank zählt aktuell rund 14 Millionen Kunden und ist in Berlin nach dem Marktführer Berliner Sparkasse stark vertreten. Im September 2008 hatte sich die Deutsche Bank zu gut einem Viertel an der Postbank beteiligt.

Kunden wird empfohlen, sich schriftlich an das Institut zu wenden und die Weitergabe von Daten zu untersagen. „Kunden können verlangen, dass ihnen die Postbank über gespeicherte und weitergegebene Daten Auskunft gibt“, sagte der Warentest-Sprecher. Einwilligungserklärungen könnten widerrufen werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar