Glanz und Elend : Wer die Wirtschaft 2010 bewegte

Jedes Jahr schreibt das Leben Geschichten von großen Erfolgen und bitteren Niederlagen - auch in der Wirtschaft. Wir geben einen Überblick über Manager, Unternehmer und Ökonomen, die 2010 Schlagzeilen machten.

Nicolas Berggruen
Nicolas BerggruenFoto: dpa

Nicolas Berggruen

Kunstliebender Karstadt-Käufer

Nicolas Berggruen hatte nicht damit gerechnet, dass ihm die Übernahme von Karstadt so schwer gemacht werden würde. „Normalerweise ist es ein bisschen einfacher, und die Leute sind ein bisschen rationaler“, sagte der Investor im Juli dem Tagesspiegel. Dabei hatte er bereits am 7. Juni den Zuschlag für die Übernahme der Warenhauskette bekommen. Bis endlich alle Details mit dem Vermieterkonsortium Highstreet geklärt waren und alle Gläubiger zugestimmt hatten, wurde es Ende September. Zuletzt schaltete sich auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein, denn immerhin ging es um die Zukunft von 25 000 Beschäftigten. Karstadt sei ein wichtiges Unternehmen für Deutschland, betonte Berggruen immer wieder. Und er wolle verhindern, dass es zerstört wird. Dennoch ließ er keinen Zweifel daran, dass er Karstadt als Investment und nicht etwa als soziales Engagement betrachtet.

Berggruen ist lange Diskussionen nicht gewohnt, weil er sein eigenes Geld einsetzt, auch bei Karstadt. Sein Vermögen wird auf 2,2 Milliarden Dollar geschätzt. Berggruen wurde 1961 in Paris geboren. Sein Vater ist der berühmte Kunstsammler und Mäzen Heinz Berggruen, der vor den Nazis in die USA floh. Auch Nicolas Berggruen liebt die Kunst. Zu seiner Sammlung gehören Werke von Jeff Koons und Damien Hirst. Berggruen wuchs in Paris auf, hat einen amerikanischen Pass, aber kein Zuhause. Er lebt in Hotels.

Bereits 1979 ging er nach New York, arbeitete bei verschiedenen Investmentbanken und machte sich früh als Investor selbstständig. Die Berggruen Holdings investiert heute weltweit mehrere Milliarden Dollar vorrangig in Unternehmensbeteiligungen und Immobilien. Sie hat auch eine Niederlassung in Berlin, wo Berggruen rund 60 Immobilien besitzt. 2009 gründete er zudem eine Denkfabrik in New York, die neue Ideen in die Politik bringen soll. Der Investor selbst tritt bescheiden auf. Geld sei ihm nicht wichtig, sagte er einmal. Jedoch beschreibt er sich selbst auch als jemanden, der Geld verdienen will. Er habe dabei aber auch eine Seele, fügt er hinzu. vis

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