Wirtschaft : Glassplitter in der Cola, Salami mit Salmonellen Neues Internetportal warnt vor gefährlichem Essen

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Berlin - Hände weg: Die frische Schinken-Zwiebelmettwurst der Lichtenberger Fleisch- und Wurstproduktion enthält Mikroben, in der von Edeka verkauften „Delikatess Edelsalami“ der Marke „Gut&Günstig“ stecken Salmonellen, und in der „Club Mate Cola“ Glassplitter. Welche Chargen genau betroffen sind und welche Lebensmittel sonst noch krank machen können, das können Verbraucher seit Freitag auf einer zentralen Seite im Internet nachlesen. Auf Lebensmittelwarnung.de veröffentlichen die Bundesländer ab sofort alle Warnungen und Rückrufaktionen der Lebensmittelunternehmen selbst sowie Warnmeldungen der zuständigen Behörden.

24 Produkte stehen derzeit auf der Liste, jeden Monat kommen rund zwei bis fünf neue hinzu. Meistens handelt es sich um verderbliche Ware wie Wurst oder Milchprodukte, die den Verbraucher krank machen können, weil sie mit gefährlichen Keimen belastet sind, allergene Stoffe nicht ausgewiesen werden oder – wie bei der Cola – Glassplitter ins Essen gekommen sind. Die Zeit drängt: Alle Lebensmittel, die in dem neuen Portal aufgelistet sind, sind in den Handel gekommen und warten möglicherweise in den Kühlschränken und Vorratskammern der Verbraucher auf ihren Verzehr. In der Liste bleiben sie mindestens so lange, bis das Mindesthaltbarkeitsdatum der betroffenen Chargen erreicht ist.

„Die Verbraucher haben ein Recht auf sichere Lebensmittel“, sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner am Freitag in Berlin. „Die Verbraucher können jetzt mühelos mit einem Klick alle Warnungen auf einmal sehen“, betonte der Präsident des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Helmut Tschiersky-Schöneburg, dessen Behörde für das Management der Seite zuständig ist.

Bislang konnten Verbraucher Lebensmittelwarnungen nur aus der Zeitung erfahren oder sie mussten sich im Internet auf den Seiten der 16 Bundesländer informieren. Das neue Portal trägt diese Informationen jetzt auf einen Blick zusammen. Wer will, kann neue Meldungen zeitnah über Twitter bekommen. Zudem plant das BVL einen E-Mail-Dienst. Nach einer zweijährigen Erprobungsfrist soll entschieden werden, ob auch Kosmetika und Bedarfsgegenstände wie Lebensmittel-Verpackungen, Spielwaren und Reinigungsmittel in die Warnliste aufgenommen werden.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisierte das neue Portal „als Augenwischerei“. Wichtiger wäre ein Bundesgesetz, das die Länderbehörden zu mehr Einheitlichkeit bei der Bewertung von Lebensmitteln zwingt, sagte Anne Markwardt, die bei Foodwatch für Kampagnen zuständig ist. „Es ist absurd, dass weiterhin manche Bundesländer vor Problemen warnen, während andere dieselben Informationen für sich behalten.“ Das Verbraucherministerium nannte die Vorwürfe „abwegig“. Die Kriterien für Lebensmittelwarnungen seien klar und einheitlich geregelt. „Wenn ein Lebensmittel die Gesundheit gefährden kann, darf es nicht verkauft werden“, sagte Ministeriumssprecher Holger Eichele. Heike Jahberg

www.lebensmittelwarnung.de

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