Wirtschaft : Glaxo: Der Konzern senkt Aids-Arzneipreise

kk/ire

Der Pharmakonzern Glaxo-Smithkline weitet seine Preisreduzierung für Aids- und Malaria-Medikamente auf 63 Entwicklungsländer aus. Unternehmenssprecher Phil Thomson sagte am Montag in London, die Preispolitik, über die bislang von Fall zu Fall entschieden worden sei, beinhalte nun zusätzliche Medikamente und gelte für die ärmsten Länder der Welt. Die Hilfsorganisation Oxfam begrüßte die Entscheidung des Pharmakonzerns, erklärte aber, das Unternehmen müsse nun bei der Veränderung der weltweiten Patentgesetze eine Vorreiterrolle einnehmen.

Die großzügigen Spenden und Preisnachlässe, die große Pharmakonzerne in jüngster Zeit für patentgeschütze Medikamente gewährt haben, ist für Katrin Lempp, deutsche Sprecherin von Ärzte ohne Grenzen, "ein klares Signal für den Druck, der auf den Konzernen lastet". Ein Prozess der Pharma-Branche gegen Südafrika um den Patentschutz von Aids-Medikamenten hatte weltweit für Aufsehen gesorgt. Zwar hatten die Konzerne die Klage letztendlich zurückgezogen und die Lieferung von Aidspräparaten zu Preisen auf Produktionskostenniveau angekündigt, doch der Image-Schaden ist scheinbar beträchtlich.

"Die Pharmaindustrie möchte nicht als Raubritter dastehen", sagt Merrill-Lynch-Analyst Andreas Schmidt. Außerdem hätten einige einflussreiche Fonds-Manager Druck gemacht, die an einem positiven Branchen-Image interessiert seien. Neben Glaxo-Smithkline hat auch der US-Konzern Pfizer in der vergangenen Woche bekräftigt, dass er die Spenden des für Aidskranke wichtigen Pilzmittels "Diflucan" ausweiten will. Zuvor hatte der Schweizer Konzern Novartis AG angekündigt, er werde ein neues Malaria-Medikament für die afrikanischen Länder zum Herstellungspreis an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verkaufen. Auch Aventis will der Weltgesundheitsorganisation bei der Bekämpfung von Krankheiten in den armen Regionen der Welt helfen. Insgesamt 25 Millionen Dollar wird Aventis der WHO über fünf Jahre zur Verfügung stellen, um die Forschung und Produktion von Mitteln gegen die Schlafkrankheit zu unterstützen. Vorwürfe, durch die Hilfsaktionen nur das nach der Diskussion über Preissenkungen für Aids-Medikamente beschädigte Image aufpolieren zu wollen, weist die Pharmaindustrie zurück: "Wir reagieren nicht auf externen Druck", sagt Mark Grayson, Sprecher des US-Pharmaindustrieverbandes PHRMA am Dienstag.

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