Wirtschaft : Glaxo und SmithKline wollen zusammengehen - dann wären die Unternehmen Weltmarktführer

thk

Die beiden britischen Firmen Glaxo Wellcome und Smithkline Beecham wollen sich zu einem der größten Pharmakonzerne der Welt zusammenschließen. Beide Seiten bestätigten am Freitag in London, dass sie über eine Fusion verhandeln. Im Falle einer Einigung soll es zu einem "Zusammenschluss unter Gleichen" kommen. Weitere Informationen werde es erst nach Abschluss der Verhandlungen geben.

Die "Financial Times" berichtete am Freitag, durch die Fusion würde der größte Pharma-Hersteller der Welt und das größte Unternehmen Großbritanniens entstehen. Zusammen hätten die beiden Firmen einen weltweiten Marktanteil von 7,5 Prozent. Inoffiziell erfuhr die Zeitung, dass bei den Verhandlungen schnell Fortschritte erzielt würden und sie auf dem besten Weg zu einem erfolgreichen Abschluss seien.

Die Großfusionen von Glaxo Wellcome und Smithkline Beecham sowie ein möglicher Zusammenschluss von Pfizer mit Warner-Lambert - entsprechende Verhandlungen sollen am Freitag aufgenommen worden sein - würde die Pharmawelt neu ordnen. Auch wenn die Börse nicht mehr so enthusiastisch reagierte, wie noch vor zwei Jahren. Damals hatten die Briten schon einmal versucht, eine neue Nummer eins der Branche zu schmieden. Doch trotz wochenlanger Verhandlungen wurde keine Einigung über die Bedingungen des Zusammenschlusses erzielt. Der Smithkline-Vorstand hatte es einstimmig abgelehnt, den Aktionären eine Fusion zu empfehlen. Smithkline hatte erklärt, bei den Verhandlungen hätten sich neben Differenzen über die mögliche Fusion auch deutliche Unterschiede in der Managementphilosophie und der Unternehmenskultur aufgetan, die unüberwindlich gewesen seien. Die Management-Probleme, die damals zum Scheitern geführt hätten, seien durch die bevorstehende Pensionierung des Smithkline-Chefs Jan Leschly offenbar gelöst, berichtete die "Financial Times". Glaxo werde wahrscheinlich mit einer Beteiligung von 60 Prozent das Übergewicht haben. Glaxo-Chef Sir Richard Sykes (57) habe beste Aussichten, an die Spitze des Konzerns zu rücken. Durch den Zusammenschluss könnten dem Bericht zufolge eine bis eineinhalb Milliarden Pfund gespart werden, was etwa acht Prozent des Gesamtumsatzes in Höhe von schätzungsweise 20 Milliarden Pfund (rund 60 Milliarden Mark) entspreche. Die Produkte der beiden Firmen ergänzten sich: Glaxo sei stark bei Medikamenten gegen Asthma und HIV, Smithkline habe sich vor allem auf Antidepressiva und Diabetesmittel sowie auf Antibiotika spezialisiert.

Martin Wales, Analyst bei HSBC in London meint: "Man ist heute pessimistischer, was die Aussichten einer Fusion angeht. Viele glauben, die beiden gehen jetzt nicht mehr aus Stärke sondern aus Schwäche zusammen." Denn wer in der Pharmabranche überleben will, muss fusionieren. Novartis will bereits mit Pharmacia & Upjohn zusammengehen, die Börse spekuliert über Partner für Astra Zeneca und Bristol-Myer Squibb.

Über die einst stolze deutsche Pharma-Industrie redet unterdessen kaum noch jemand. Kein Wunder: Während der Börsenwert von Glaxo Wellcome schon ohne die Fusionsmeldung bei über 100 Milliarden Mark lag, kommt Bayer auf magere 32 Milliarden, BASF sogar nur auf 29 Milliarden. Mit so wenig Rückendeckung ist Handeln kaum mehr möglich - die Deutschen werden zu Übernahmekandidaten. Holen sie jetzt nicht auf, sagt ein Analyst, der nicht genannt werden will, "dann schlägt die Konkurrenz Bayer an sein eigenes Kreuz".

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