Wirtschaft : Global Player: Aus Rechtsanwaltskanzleien werden "law firms"

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Pünder schließt sich mit Clifford Chance zusammen, Bruckhaus geht zu Freshfields, Oppenhoff zu Linklater, Feddersen zu White & Case. Kaum ein Monat vergeht, ohne dass eine deutsche Wirtschaftskanzlei die Fusion mit einer amerikanischen oder britischen Sozietät bekanntgibt. Die Rechtsberater machen nach, was Mandanten wie Daimler und Chrysler, Mannesmann und Vodafone ihnen vorgemacht haben: Sie werden Global Player in einem internationalen Markt, in dem nationale Grenzen durchlässig werden. Aus Kanzleien werden "law firms", mit Hunderten von Anwälten und - bei Clifford Chance - einem Jahresumsatz von bis zu einer Milliarde Dollar. Doch in der Fusionitis der Großen wittern kleine und mittlere Kanzleien ihre Chance.

"Es gibt viele Mandanten, die keine Lust haben, zu internationalen Groß-Kanzleien zu gehen", sagt der Berliner Rechtsanwalt Alexander Kollmorgen aus der Wirtschaftskanzlei Gaederts, in der deutschlandweit um die 200 Anwälte tätig sind. Den Kunden sei die Betreuung in den "law firms", in denen die Anwälte in Teams arbeiten, oft zu unpersönlich, zu anonym. "Die Großen neigen zur maschinenmäßigen Abfertigung, das ist in den angelsächsischen Kanzleien nun mal so üblich", sagt Kollmorgen. Auch eine Studie der Gummersbacher Unternehmensberatung Kienbaum und Partner hatte jüngst Defizite der großen Sozietäten im Umgang mit Kunden ausgemacht: Den Bedürfnissen der Klienten werde zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet, heißt es dort.

"Wenn Mandanten zu mir kommen, können sie sich darauf verlassen, dass ich sie persönlich betreue", sagt der Berliner Anwalt Jürgen Waldheim aus der Kanzlei Waldheim Manthey Rauch. "Die Informationen laufen komplett bei mir zusammen, ich kann schneller Entscheidungen fällen." Großkanzleien gelten dagegen als schwerfälliger. Auch darum sieht Waldheim "erhebliche Chancen" für die mittelständischen Kanzleien. Interne Querelen in den oft mehrere hundert Anwälte umfassenden "law firms" - wie jetzt bei Oppenhoff & Rädler - hält der Anwalt für unvermeidbar. Der interne Konkurrenzkampf um lukrative Mandate sei hart, der Leistungsdruck erheblich. "Das geht zu Lasten der Qualität."

Der Berliner Anwalt Sebastian Biere sieht durch die Fusion der Großen eine Chance für Boutiquen-Kanzleien, die sich auf einzelne Fachgebiete spezialisiert haben. Er selbst arbeitet in der kleinen Berliner Sozietät Jaschinski, Römer & Brexl, die sich auf Rechtsgebiete rund um das Internet spezialisiert hat. "Durch die hohe Spezialisierung kann man effektiver arbeiten", sagt Biere. Viele Kunden scheuen auch aus anderen Gründen den Gang in die Großkanzlei. "Die Stundensätze, die Großkanzleien verlangen, sind meist teurer als in kleinen und mittelständischen Kanzleien", sagt Biere.

Andererseits hat die Kompetenz der mittelständischen Kanzlei ihre natürlichen Grenzen. "Die Fusion von zwei wirklichen Global Playern könnten wir ad hoc nicht machen", sagt Rechtsanwalt Waldheim. "Dazu braucht man ein internationale Groß-Kanzlei." Künftig werde es in Deutschland drei Sorten von Anwälten geben: Diejenigen in den Großkanzleien, die vor allem aus den USA auf den hiesigen Markt drängen. Zweitens den Einzelanwalt, der wenig einträgliche Scheidungen und Verkehrsunfälle bearbeitet. Und drittens Kooperationsgemeinschaften mittelständischer Kanzleien. Der Bundesanwaltskammer zufolge arbeiten nur fünf bis acht Prozent der Anwälte in Deutschland in Kanzleien mit 50 oder mehr Juristen. Trotzdem entfallen auf diese Kanzleien 20 Prozent des Honorarvolumens.

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