Globalisierung : Dienstleistungsgesellschaft in der Krise

Streiks bei der Telekom, Ausstände bei der Post und Debatte um Mindestlöhne. Im Dienstleistungsbereich rumort es gewaltig. Was ist aus dem einstigen Hoffnungsträger für den hiesigen Arbeitsmarkt geworden? Ein Kommentar von Markus Mechnich

Lange Zeit wurde die Dienstleistungsbranche als die Zukunft der Beschäftigung betrachtet. In einer postindustrialisierten Welt schien sie das Heilmittel gegen die kontinuierliche Beschäftigungserosion im ersten (Landwirtschaft) und zweiten Sektor (Industrie) zu sein. Doch gerade die entwickelten Gesellschaften aus dem Westen leiden nun in diesem Bereich unter wachsendem Konkurrenzdruck. Eine erschreckende Parallele zur Industrie.

Der Preis der erweiterten Globalisierunsgwelle ist ein erhöhter Kostendruck auch im Dienstleistungsbereich. Call-Center in Irland oder Australien sind bei international agierenden Unternehmen ebenso verbreitet wie technischer Support aus England oder Indien. Wer heute bei der Lufthansa anruft spricht in der Regel mit Menschen am anderen Ende der Welt, allerdings auf Deutsch. Einzig die Sprach-Barriere ist noch ein Hindernis, das Übrige erledigt günstige Kommunikation rund um den Erdball. So besteht für viele Unternehmen, die hier ihre Produkte absetzen, nur noch wenig Anreiz auch Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen. Nicht mal wegen der Verwaltung oder dem Service braucht eine Firma hierzulande einen Standort.

Verschärfte Globalisierung

Das ist die eigentlich neue Qualität der neuen Globalisierungswelle: den Jobs in der Produktion folgen die Stellen in der Verwaltung und im Service ins billigere Ausland. Für Deutschland stellt sich daher zunehmend die Frage, wo auf lange Sicht die Arbeitsplätze für die breite Masse herkommen sollen. Die Politik hat darauf bisher wenig Antworten gefunden. Mit der Unternehmenssteuerreform wird ein Versuch gestartet Investitionen im Inland und somit Arbeitsplätze zu fördern. Aber alleine kann sie die Entwicklung nicht aufhalten.

Setzt sich der Trend von Arbeitsplatzabbau und Niedriglöhnen im Dienstleistungsbereich fort, könnte sich das massiv in der Arbeitslosenquote bemerkbar machen. Denn die Service-Unternehmen beschäftigen eine große Zahl von Angestellten. Alleine 50.000 Stellen will die Telekom jetzt in eine neue Gesellschaft auslagern. Auch die Deutsche Post beschäftigt 500.000 Menschen weltweit, einen großen Teil davon immer noch in Deutschland. Die Auswirkungen der Privatisierung der Deutschen Bahn für die 230.000 Beschäftigten sind noch unklar.

Service bezahlbar halten

Was also tun? Chancen für eine Auflösung dieses unheilvollen Trends haben Arbeitnehmervertreter genauso wie die Arbeitgeber. Die Gewerkschaften sollten den Unternehmen zeigen, dass ein guter, fachgerechter Service am besten aus Deutschland kommt und hierzulande auch mit bezahlbaren Löhnen geleistet werden kann. Die Arbeitgeber sollten solche Bemühungen honorieren, den Kostendruck abfangen und die entsprechenden Bereiche im Land belassen. Das ist nicht zuletzt deshalb in ihrem Sinne, weil auch sie die lokale Kaufkraft des Binnenmarkts brauchen. Für die Politik gilt es entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, die gleiche Voraussetzungen für alle Marktteilnehmer herstellen und Dumpinglöhne unterbinden. Ob dazu ein Mindestlohn dienlich ist, sollten objektive Wirtschaftswissenschaftler herausfinden. So könnte die unheilvolle Entwicklung im Dienstleistungsbereich aufgefangen werden, bevor sich der Wettbewerb im dritten Sektor ähnlich hart auswirkt wie in der Industrie. Zumal es auch künftig keine Alternative aus dem Ausland für den Service geben dürfte, der vor Ort geleistet werden muss. ()

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