Wirtschaft : Globalisierung: Gute und schlechte Direktinvestitionen?

Rainer Hank

Weltweit fließen Finanzströme von einer Billion Dollar über nationale Grenzen: Unternehmen kaufen und fusionieren immer mehr außerhalb ihres heimischen Marktes. Es verbessert die Vorstellungskraft nicht zu wissen, dass eine Billion 1000 Milliarden Dollar sind. Aber eine Ahnung vom Ausmaß der Globalisierung kann die von der Handels- und Entwicklungskonferenz Unctad der Vereinten Nationen jetzt präsentierte Zahl vermitteln. Der Anteil der Direktinvestitionen am Bruttosozialprodukt gilt als klassischer Indikator der Globalisierung. Absolut diagnostiziert die Unctad einen neuen Rekord; relativ geht der Zuwachs verglichen mit den Vorjahren zurück - die Initialzündung der Globalisierung liegt hinter uns.

Die Unctad sieht in der wachsenden Vernetzung nicht nur Segen, sondern auch Fluch. Megafusionen führten zum Ausverkauf nationaler Volkswirtschaften in der Dritten Welt. Die Genfer Organisation will offenbar zwischen guten Investitionen - das wären Neugründungen auf der grünen Wiese - und schlechten - nämlich Fusionen - unterscheiden. Die Warnung passt zwar zur vertrauten entwicklungspolitischen Argumentation der Unctad. Sie wird dadurch aber nicht plausibel. Direktinvestitionen sind wie der Import von Marktwissen in andere Länder, unabhängig davon, ob es sich um Neugründungen oder Fusionen handelt. Der Investor bringt sein Geld ins Land, weil er sich eine gute Rendite verspricht. Er wird deshalb auf effiziente Fertigungsbedingungen achten. Das verbessert die Qualität der Produkte bei den internationalen Konzernen und zwingt zugleich die nationalen Unternehmen, sich auf das zu konzentrieren, was sie besser können. Das gilt für die USA, den attraktivsten Standort weltweit, nicht anders als für Malaysia oder Deutschland. Die Unctad sollte künftig lieber noch intensiver der Frage nachgehen, wie Bedingungen zur Attraktivität eines Standortes verbessert werden können. Die Kandidaten sind bekannt: Abbau der Handelshemmnisse und Privatisierung der Märkte. Aber auch: Vertragsfreiheit statt Korruption; dezentrale demokratische Entscheidungsstrukturen statt autoritärem Zentralismus.

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