Wirtschaft : „Globalisierung schafft Jobs“

Sachverständige: Deutschland ist keine Basar-Ökonomie, die nur Arbeitsplätze in Billigländer verlagert

Carsten Brönstrup

Berlin – Die Globalisierung nützt der deutschen Wirtschaft eher, als dass sie ihr schadet. Diese These vertritt der Sachverständigenrat der Bundesregierung in seinem neuen Gutachten, das er am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. „Durch den Anstieg des Exports sind zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden“, sagte Wolfgang Wiegard, der Vorsitzende der „Fünf Weisen“. Dagegen sei der Stellenverlust durch die Verlagerung von Fabriken ins Ausland vergleichsweise gering. Der Export werde auch 2005 die Stütze der deutschen Konjunktur sein.

Damit widersprechen die Professoren der These, Deutschland sei eine so genannte Basar-Ökonomie geworden. Sie besagt, dass die starke Nachfrage nach deutschen Produkten dem Land zwar den Titel des Exportweltmeisters einbringe. Neue Arbeitsplätze gebe es dennoch nicht, weil die Unternehmen zunehmend Vorprodukte im Ausland herstellen ließen und hier nur noch in ihre Produkte einbauten. Der Grund: Arbeit und Wertschöpfung hier zu Lande seien zu teuer.

Derartige „Horroszenarien sind deutlich zu relativieren“, schreibt der Rat nun. Die Wirtschaft nutze die internationale Arbeitsteilung, und die Firmen seien mit den gestiegenen Anforderungen der Globalisierung gut zurechtgekommen. Daher sei ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich gestiegen, und im verarbeitenden Gewerbe seien seit Mitte der neunziger Jahre per Saldo Stellen hinzugekommen. Das seit Jahren geringe Wachstum habe andere Ursachen: die Kosten der Einheit, das im Vergleich zu anderen Euro-Ländern höhere reale Zinsniveau sowie „binnenwirtschaftliche Fehler und Versäumnisse“.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) untermauerte die These der „Weisen“ vom Nutzen der Globalisierung . So hätten die Automobilzulieferer seit 1995 für einen Jobzuwachs von 20 Prozent gesorgt, hieß es. Die Herstellung etwa in China sei kaum billiger, weil Vorprodukte über große Entfernungen importiert werden müssten.

Allerdings werde das Wirtschaftswachstum 2005 dennoch nur bei 1,4 Prozent liegen, prognostizieren die Professoren. Experten bei anderen Instituten und Banken sind noch pessimistischer und erwarten nur ein Plus von etwa einem Prozent. Schuld seien der teure Euro und der hohe Ölpreis. Auch für den Arbeitsmarkt erwarten die Sachverständigen keine Verbesserung. Zwar werde die Zahl der Beschäftigten um 150000 zunehmen, dies gehe aber auf die neuen Ein-Euro-Jobs im Rahmen der Arbeitsmarktreform zurück.

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