Wirtschaft : Glogowski steht hinter Salzgitter-Betriebsrat

HANNOVER (stw/HB).Niedersachsen hat eine Arbeitsplatzgarantie für alle 12 500 Beschäftigte der Salzgitter AG zur Bedingung für eine Fusion mit der Luxemburger Arbed-Gruppe gemacht.Der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Glogowski (SPD) stellte in einer kurzfristig angesetzten Regierungserklärung zehn Vorbedingungen für weitere Verhandlungen, die sich mit denen des Betriebsrats decken.Danach müssen alle drei Salzgitter-Standorte mit ihren 12 500 Arbeitsplätzen erhalten und das "Entscheidungszentrum in Niedersachsen" bleiben.Die Firma müsse in allen wesentlichen Funktionen von der Produktentwicklung über den Einkauf bis zum Vertrieb selbständig bleiben.

Von diesen Forderungen ist auch die Opposition nicht weit entfernt.Sie wirft Glogowski jedoch vor, frühere Versprechen mit dem Vorgehen im Fall Arbed gebrochen zu haben.Der Ministerpräsident müsse "erklären, weshalb die Fusion mit einem ausländischen Unternehmen gestern eine nationale Katastrophe war und heute ein Glanzstück", sagte Wulff.Vor einem Jahr hatte Glogowskis Vorgänger Gerhard Schröder den Verkauf der damaligen Preussag Stahl AG an die österreichische Voest-Alpine verhindert, weil er um die Arbeitsplätze fürchtete.Seither sind das Land und die Nord/LB Mehrheitsaktionäre des Unternehmens.Sie wollen jetzt ihre Salzgitter-Anteile an Arbed abgeben, und sich im Gegenzug an den Luxemburgern beteiligen.Glogowski sagte gestern, er halte ein Zusammengehen für "nicht unvernünftig", sei aber "eher skeptisch".In Bewertungsfragen gebe es "riesige Auffassungsunterschiede".Nach wie vor gehen die Darstellungen über den Stand der Verhandlungen und die treibenden Kräfte weit auseinander.

Die Opposition warf Glogowski am Mittwoch gestern im Landtag schwere Fehler bei den Verhandlungen mit Arbed vor.Nun solle Hans-Joachim Selenz, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG, als "Bauernopfer" dienen, sagte Christian Wulff (CDU).Selenz geriet weiter unter Druck.Nachdem ihn eine Betriebsversammlung am Dienstag bereits zum Rücktritt aufgefordert hatte, will der Betriebsrat noch in dieser Woche eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung zu diesem Thema beantragen.Auch der restliche Vorstand war gegenüber Selenz auf Distanz gegangen.Er soll seine Kollegen erst vor wenigen Tagen über die seit Dezember laufenden Gespräche mit Arbed unterrichtet haben.

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