Wirtschaft : Glos: Endlich ein angemessener Flughafen

Am Dienstag Spatenstich für BBI in Schönefeld Wirtschaft warnt vor Abstrichen am Projekt

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Berlin - Vor dem ersten Spatenstich für den Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) an diesem Dienstag machen sich Politik und Wirtschaft nachdrücklich gegen weitere Abstriche bei dem Projekt stark. Die Kritik der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet an den angeblich zu teuren Plänen wird fast unisono zurückgewiesen. Nur die FDP sieht hier noch Klärungsbedarf.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hob die „immense wirtschaftliche Bedeutung“ des Flughafens als Drehkreuz für Passagier- und Frachtverkehr hervor. „Deshalb ist es umso wichtiger, dass nach über zehnjähriger Planung die Arbeiten zügig vorangehen“, sagte er dem Tagesspiegel. „Mit dem BBI bekommt die Hauptstadt Berlin und die gesamte Region endlich einen angemessenen Flughafen.“ Der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer, Eric Schweitzer, betonte: „Ich bin mir sicher, dass dort für die unternehmerischen Interessen aller und unterschiedliche Abfertigungskonzepte Platz sein wird.“

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold sagte: „Die Planung für den Flughafen BBI steht und muss jetzt so schnell wie möglich realisiert werden. Das Geschacher einzelner Wettbewerber darf das Projekt nicht gefährden. Wenn im Herbst 2011 ein attraktiver, angemessener Hauptstadtflughafen entstanden sein sollte, wird er unsere Basis werden.“ Wolfgang Weber, Lufthansa-Sprecher für Berlin, sprach von einer „gewissen Erleichterung“, dass die Bauarbeiten jetzt starten. „Wir mussten lang genug darauf warten, und es gibt überhaupt keinen Grund, das Projekt heute schlechtzureden. Die Hauptstadtregion wartet auf diesen Flughafen wie die Wüste auf den Regen.“ In Berlin sei die Lufthansa mit ihren Töchtern größter Kunde. „Und die Jobmaschine wird erst so richtig anspringen, wenn der BBI an den Start geht.“ Auch Flughafenchef Rainer Schwarz wies die Easyjet-Kritik zurück und mutmaßte, dass sie mit Blick auf die Wahl zum Abgeordnetenhaus angezettelt worden sein könnte. Man werde sich mit allen Kunden „ins Benehmen setzen“, könne aber nicht fünf Jahre vor Inbetriebnahme über die Gebühren diskutieren.

Zum ersten Spatenstich werden Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (alle SPD) erwartet. Für mehr als 2,6 Milliarden Euro soll ein gemeinsamer Flughafen für die Region entstehen.

Die FDP im Bundestag erwägt, den Streit um die Kosten zum Thema einer Parlamentsdebatte zu machen. Haushaltspolitiker Otto Fricke sagte dem Tagesspiegel: „Ich will nicht, dass der Bund eine Fehlinvestition in Berlin fördert, während gleichzeitig Berlin den Bund auf mehr Hilfe verklagt.“ Fricke hatte die Bundesregierung um eine Bewertung eines Konzeptes des Londoner Architekturbüros HOK gebeten, mit dem die Baukosten womöglich um eine Milliarde Euro reduziert werden können. Die Regierung argumentiert, für die Umsetzung wäre ein neues Planfeststellungsverfahren notwendig, was den Bau um Jahre verzögern würde.

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