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Glosse : Touren ans Ende des Regenbogens

05.12.2011 00:00 Uhrvon
Endstation Amtsgericht. Rainbow Tours ist pleite. Foto: dpaBild vergrößern
Endstation Amtsgericht. Rainbow Tours ist pleite. - Foto: dpa

Generationen von Jugendlichen haben sich in den Bussen von Rainbow Tours die Nächte um die Ohren geschlagen. Nun ist der Reiseveranstalter pleite. Ein Blick zurück in Wehmut.

Ich war sechzehn, da schenkte mir mein damaliger Freund zu Weihnachten eine Reise nach Paris. Meine Freundinnen zollten mir das erhoffte Maß an Neid: Während sie mit Plüschtieren und „Liebe ist, dir mein Herz zu schenken“-Tassen abgespeist wurden, sahen sie mich vor ihrem geistigen Auge die Champs-Elysées entlangflanieren und bei Kerzenschein auf der Pont Neuf picknicken. Ihre Kerle durften noch nicht einmal ohne Erlaubnis der Eltern ein Hotel buchen ...

Leider ging die Vision mit dem Picknick nicht auf, weil die Pont Neuf von einer dicken Eisschicht überzogen war, als ich sie kennenlernte. Die Champs Elysées waren wie ausgestorben.

Unser Schnäppchen-Tarif galt nur für Reisen im Januar. Eine Klausel, die ziemlich versteckt war.

Von der Stadt bekam ich aber ohnehin nicht viel mit. Freitag bis Sonntag hatten wir gebucht, anderthalb Tage davon saßen wir im Bus. Der fuhr im Zickzack etliche Städte ab, um „Teilnehmer“ einzusammeln. Daher die geringen Hotelkosten – wir waren nur eine Nacht einquartiert, die erste verbrachten wir in dem unbequemen, zugigen Bus. Als wir am Mittag, völlig fertig mit den Nerven, in Paris ankamen, schlief ich im erstbesten Café ein.

Generationen von Jugendlichen haben Ähnliches erlebt. Ganze Abiturientenjahrgänge fuhren mit dem Busreiseunternehmen für wenig Geld nach Spanien, Kroatien, Italien und Ungarn. Jetzt ist Rainbow Tours pleite. Wie das Amtsgericht Neubrandenburg am Dienstag mitteilte, wurde vom Geschäftsführer Antrag auf Insolvenz für zwei Firmen aus Neustrelitz gestellt, in die das Gros der Busfirma vor kurzem aufgegangen war. Zu seinen besten Zeiten hatte der in Hamburg gegründete Reiseveranstalter 1000 Angestellte beschäftigt und unter anderem auch ein Büro in Berlin unterhalten. Mitte 2011 war das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und im Herbst nach Neustrelitz verkauft worden.

Nach 30 Jahren, in denen Rainbow Tours den Traum der großen weiten Welt verkauft und manchen Albtraum beschert hat, droht jetzt das endgültige Aus.

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