Wirtschaft : Glücklich, wer einen Schal hat

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Der überraschende Siegeszug der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Japan und Südkorea hat die deutschen Fanartikel-Händler auf dem falschen Fuß erwischt. Die Regale der großen Geschäfte sind leer - sowohl die weißen Trikots mit dem Bundesadler, als auch die roten türkischen Hemden mit dem weißen Halbmond sind ausverkauft.

„Es ist einfach nichts mehr da. Am Freitag haben wir die letzte Lieferung von DFB-Trikots bekommen, am Samstagmittag waren die schon wieder weg“, schildert ein Verkäufer von Sport Schuster in München die missliche Lage. „Mit so einem Ansturm hat ja niemand gerechnet.“ Auch bei Sport Scheck in München stoßen die Fans nur noch auf gähnende Leere. „Wir haben sogar den Schaufensterpuppen ihre Trikots azsgezogen und haben sie anschließend verkauft“, erzählt ein Angestellter des Geschäfts. Die letzten von lediglich 100 vorrätigen DFB-Trikots gingen bereits vor 14 Tagen über den Ladentisch, immerhin zum stolzen Preis von 60 bis 100 Euro.

Auch der offizielle WeltmeisterschaftsBall Fevernova, der 100 Euro kostet, ist mittlerweile nicht mehr zu bekommen. Gleiches gilt für DFB-Schals, DFB-Fahnen und DFB-Kappen. „Wir könnten pro Tag locker 30 Trikots verkaufen, die Leute würden uns das Zeug aus den Händen reissen“, klagt der Verkäufer. Dabei hatte das Sporthaus vor der WM Trikots von 16 der 32 teilnehmenden Teams bestellt. Nur noch ein paar einsame brasilianische Hemden warteten am Dienstag noch auf Ronaldo-Anhänger.

Das Problem der Händler, nicht nur in München: Sie müssen die Fanartikel lange vor der WM bei den Herstellern wie adidas, Puma oder Nike ordern. Nachbestellungen sind zwar möglich, bis zur Lieferung vergehen aber mindestens sechs Wochen. Für die Händler ist das zu spät: „Nur wer weiter kommt, ist noch gefragt. Wer rausfliegt, zählt nichts mehr. Als die Deutschen bei der EM 2000 früh gescheitert sind, sind wir auf den Sachen sitzen geblieben. Am Ende konnten wir die Trikots selbst anziehen, weil niemand sie mehr haben wollte.“

Aber auch die Sport-Multis wurden vom unerwarteten Ansturm auf die knapp kalkulierten Fan-Artikel überrascht. Die großen Hallen von adidas in Herzogenaurach beispielsweise, in denen bis vor kurzem die Trikots der deutschen, türkischen oder japanischen Kicker lagerten, sind leergefegt. „Wir tun, was wir können“, erklärt adidas-Sprecher Oliver Brüggen, „die Trikots aber haben eine gute Qualität und deshalb nimmt die Nach-Produktion einige Zeit in Anspruch.“ Für den Handel und die Fans kommen die Trikots dann zu spät.dpa

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