Wirtschaft : GM droht nun doch mit Aus für Opel-Werke

Deutsche Tochter von General Motors trägt fast die ganze Last der Sanierung / Betriebsräte kritisieren Konzeptionslosigkeit

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - In den fünf deutschen Opel-Werken und in der Zentrale in Rüsselsheim werden bis 2006 möglicherweise 10000 und damit mehr als ein Drittel der Arbeitsplätze gestrichen. General Motors will in Europa wegen der anhaltenden Verluste insgesamt 12000 von 63000 Stellen streichen, 90 Prozent davon schon im nächsten Jahr. Insgesamt sollen pro Jahr rund eine halbe Milliarde Euro eingespart werden. Das gab GM-Europa Chef Fritz Henderson am Donnerstag in Rüsselsheim bekannt.

Die europäischen Betriebsräte von GM reagierten nach einem Treffen in der Frankfurter IG Metall-Zentrale empört. „Es darf keine Werksschließungen und keine betriebsbedingten Kündigungen geben“, sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. In Bochum protestierten am Donnerstag rund 1500 Opel-Mitarbeiter gegen die Sparpläne. Die Montagebänder stünden still, sagte der Leiter der Personalkommission, Lothar Marquardt. Auch am Freitag solle weiter demonstriert werden.

Dass GM gerade in Europa Handlungsbedarf hat, zeigt der gestern vorgelegte Zwischenbericht. Vor allem das EuropaGeschäft war dafür verantwortlich, dass der Konzern im dritten Quartal im AutoGeschäft weltweit einen Verlust von 130 Millionen Dollar verbuchte. Allein in Europa verlor der Konzern 236 Millionen Dollar, nach 152 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.

Details über Einzelmaßnahmen nannten weder Henderson, sein Stellvertreter Carl-Peter Forster noch Betriebsrat Franz. Allerdings ist Henderson zufolge die Schließung eines der elf Werke in Europa nicht vom Tisch. „Wir können gar nichts ausschließen.“ Die Umsetzung des Sparprogramms soll jetzt zwischen Management und Betriebsräten ausgehandelt werden. Henderson will bis Ende November Ergebnisse haben. Nach Angaben des stellvertretenden Betriebsratschef des Bochumer OpelWerks sollen in Rüsselsheim und Bochum jeweils 4000 Stellen wegfallen. Am Stammsitz des Unternehmens sind fast 20000, in Bochum knapp 10000 Mitarbeiter beschäftigt. Massiv getroffen wird offenbar auch das Internationale Technische Entwicklungszentrum (ITEZ) in Rüsselsheim mit rund 6000 Mitarbeitern. Die Aktivitäten werden künftig mit den Entwicklungsbereichen von Saab und der britischen Vauxhall zusammengefasst und in die weltweite GM-Entwicklungsabteilung integriert. Im Sommer noch hatte Forster dem ITEZ eine herausragende Rolle bei der Entwicklung eines neuen Mittelklassemodells von GM zugeschrieben. Das Auto soll 2009 von den Bändern laufen.

Trotz massiver Einsparungen auch in der Entwicklung wird es nach Angaben von GM keine Abstriche bei der Einführung von neuen Modellen geben. „Selbstverständlich haben wir Wachstumspläne. Aber wir kommen nicht schnell genug voran, um unsere heutige Kostenbasis auszugleichen“, sagt Henderson. Mit dem Sanierungsprogramm seien „realistische Ertragsaussichten“ verbunden. Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe erhofft sich GM auch durch den Ausstieg aus der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft nach der Saison 2005.

Die europäischen Betriebsräte von GM und die IG Metall reagierten empört auf die Pläne. „Wir sind wütend über die Konfrontationspolitik von GM", hieß es. Was die Manager anstrebten sei „kurzfristiger Aktionismus“ ohne jegliches Konzept. Die Sparprogramme dürften gerade angesichts massiver Managementfehler nicht einseitig zu Lasten der Beschäftigten gehen. Auch die GM-Manager müssten ihren Beitrag leisten. „Zehn-Prozent-Gehaltsverzicht reichen da nicht“, sagte IG Metall-Vize Berthold Huber in Frankfurt. Opel-Betriebsratschef Franz warf den GM-Oberen „geschäftsschädigendes Verhalten“ vor. Kein anderer Industriemanager weltweit rede die eigenen Firmen so schlecht wie die GM-Spitze. Ein für Dienstag europaweit vorgesehener Aktionstag dient nach Angaben von Franz der Information. „Das Wort Streik hören sie aus meinem Mund nicht.“

Am Freitag wird sich der Opel-Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung mit dem Sanierungsplan befassen.

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