Wirtschaft : GM verlegt Auslandszentrale In Die USA

Aufatmen bei Opel in Rüsselsheim / Hoffnung auf neue Freiheiten in der Entwicklung RÜSSELSHEIM / ZÜRICH (rtr).Der umstrittene Spitzenmanager des US-Autoherstellers General Motors, Louis Hughes, muß mit 30 weiteren GM-Managern die Züricher Europa-Zentrale verlassen und an den Unternehmensstammsitz zurückkehren.Der frühere Opel-Vorstandsvorsitzende und seit 1994 für das internationale GM-Geschäft (GMIO) zuständige Hughes werde im September in die neue GM-Zentrale nach Detroit/USA umziehen, teilte GMIO am Donnerstag in Zürich mit. Die Erfahrungen von Hughes als Präsident von GMIO am Sitz der Europa-Zentrale in Zürich und seine detaillierten Kenntnisse über die europäischen Tochterunternehmen Opel, Vauxhall und Saab seien von unschätzbarem Wert für die weitere Globalisierung, begründete die GM-Spitze in Detroit die Versetzung.Hughes selbst stellte dem technischen Entwicklungszentrum der Adam Opel AG in Rüsselsheim in Aussicht, sich künftig stärker auf "Design und Entwicklung der Opel- und Vauxhall-Produkte" konzentrieren zu können, "und zwar unter Beibehaltung seiner internationalen Verantwortung." "Das ist kein Sieg für Opel, sondern eine intelligente Entscheidung", kommentierte der Vorsitzende des Opel-Aufsichtrates und Vize-Präsident von GM Europe, Hans Wilhelm Gäb, die Detroiter Entscheidung.Damit spielte Gäb auch auf die seit Monaten schwelenden Konflikte zwischen Hughes und den europäischen GM-Töchtern, vor allem der Adam Opel AG, an. Der stets auf Ausgleich bedachte Aufsichtsratschef sagte zudem: "GM weiß, daß der Erfolg am Markt wichtiger ist als das Festhalten an Organisationsstrukturen." Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Rudolf Müller, würdigte die Maßnahme von General Motors, "die Kräfte künftig in Detroit zu bündeln." Am Opel-Stammsitz war die Kritik an der von Hughes betriebenen "Globalisierungsstrategie" bis zuletzt nicht verstummt.Für die weltweite Expansion des US-Automobilriesen würden in Deutschland - von der wichtigsten Auslandstochter - zu viele Finanzmittel und Entwicklungskapazitäten abgezogen, lauteten die Vorwürfe in Rüsselsheim.Rüde "Texas-Mentalität" warf ihm gar ein Mitglied des Aufsichtsrates vor.Daher wurde der Ex-Opel-Lenker Hughes auch für eine lange Pannenserie mit Qualitätsproblemen, Rückrufaktionen, Ertragsschwäche und dem verzögerten Anlauf des neuen Opel Astra mitverantwortlich gemacht. Zudem wurde das Betriebsklima empfindlich gestört, als Spekulationen die Runde machten, Hughes betreibe die vorzeitige Ablösung des amtierenden Opel-Chefs David Herman.Er gilt seither als härtester Widersacher von Hughes.Der frühere New Yorker Rechtsanwalt hatte sich für mehr Eigenständigkeit, eine unabhängige europäische Modellpolitik und hohe Qualitätsstandards ausgesprochen.Nur so könne man sich auf dem alten Kontinent behaupten, ist seine Überzeugung. Das Aufatmen in Rüsselsheim ist trotz der offiziellen Zurückhaltung zu spüren.Vor allem das mit Top-Ingenieuren besetzte Technische Entwicklungszentrum werde in Zukunft nicht mehr an der kurzen Leine gehalten, sagte ein Mitarbeiter.Auch Gäb sieht nunmehr für Opel und das kompetente Entwicklungszentrum "zusätzlichen Freiraum".Damit könne Opels Stellung im deutschen und europäischen Markt gestärkt werden.In Züricher Unternehmenskreisen hieß es dagegen, zwar erhalte Opel so zunächst mehr Freiheiten.Auf der anderen Seite aber werde auch der US-Einfluß innerhalb der Internationalen Organisation durch den Führungssitz in der GM-Zentrale größer werden.

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