Wirtschaft : GM will mehr als 500 Millionen einsparen

Verhandlungen über Opel-Sanierung „in der heißen Phase“ / IG Metall fordert Gesamtlösung für Europa

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Frankfurt am Main Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) will noch mehr als die bisher genannten 500 Millionen Euro in seinem unprofitablen Europa-Geschäft einsparen. Dies sei nur ein Mindestziel, sagte der Aufsichtsratschef von Opel, Carl-Peter Forster, auf einer Tagung des „Handelsblatts“ in Frankfurt: „Wir wollen aber eindeutig mehr einsparen.“ Die Verhandlungen mit den Gewerkschaften über den Sanierungsplan seien derzeit in der „heißen Phase“. Insgesamt seien 12 000 Arbeitsplätze in Europa auf dem Prüfstand.

„Es hat sich in den letzten Wochen viel bewegt“, sagte Forster. GM wolle „alle wettbewerbsfähigen Standorte“ in Europa behalten. Einige Standorte wie etwa das Werk Eisenach seien „außerordentlich wettbewerbsfähig“ und ein Beleg dafür, dass eine Autoproduktion in Deutschland nach wie vor möglich sei. Es werde wegen der Standortentscheidung für die neue Mittelklasse „wohl bis zum zweiten Quartal 2005 dauern", um die Gespräche zu beenden und die Maßnahmen von den Gremien absegnen zu lassen.

Der Verwaltungsrat von GM sollte am Dienstag in Detroit über den Sanierungsplan für Opel beraten. Die Sitzung dauerte bei Redaktionsschluss noch an. General Motors will bis 2006 die Personalkosten bei seinen europäischen Töchtern Opel, Saab und Vauxhall senken. Allein in Deutschland sollen 10000 Arbeitsplätze wegfallen. Vor allem die Standorte Bochum, Kaiserslautern und Rüsselsheim sind davon betroffen. Die Arbeitnehmervertreter drängen darauf, Beschäftigungs - oder Qualifizierungsgesellschaften unter finanzieller Beteiligung von GM zu gründen. Doch der US-Konzern will eigentlich sparen. Nach unbestätigten Informationen wäre ein Sozialplan für 10 000 Opel-Beschäftigte nicht so teuer wie die Auffanggesellschaften.

Die Bundesländer Hessen und Nordrhein-Westfalen halten sich bei Zusagen vorerst zurück. NRW hat signalisiert, dass eine Beteiligung an einer Auffanglösung in Bochum nur möglich sei, wenn GM sich selbst finanziell engagiere.

Unterdessen erklärte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, das Klima bei den Opel-Verhandlungen sei vergiftet „durch die autoritäre Ankündigung“, 12 000 Leute zu entlassen. Huber betonte, die IG Metall strebe eine gesamteuropäische Lösung an und lehne es dementsprechend ab, an jedem einzelnen Standort Verhandlungen zu führen. Er betonte, Lösungen wie Abfindungen, Transfergesellschaft oder Joint Venture seien alles Möglichkeiten, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern.

General Motors steckt seit dem Jahr 2000 in Europa in tiefroten Zahlen. Durch die sinkende Nachfrage seien die Kapazitäten der GM-Töchter Opel, Vauxhall und Saab derzeit nur zu 80 Prozent ausgelastet, sagte Forster. Um Geld zu verdienen, sei aber eine Auslastung von etwa 85 Prozent notwendig. Einige Standorte wie das hochmoderne Stammwerk in Rüsselsheim kommen sogar nur auf Auslastungen von 60 Prozent. fo/HB

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