Wirtschaft : Gnadenfrist für Elbewerft Boizenburg

Drei Mill.DM von Land, BvS und Sequester sollen Betrieb bis Jahresende aufrechterhalten

BOIZENBURG (fro).Die von der Schließung bedrohte Elbewerft in Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern bekommt eine Gnadenfrist bis Jahresende.Das Land, die Treuhandnachfolgerin BvS und der Sequester wollen mit drei Mill.DM den Betrieb des 204 Jahre alten Traditionsunternehmens aufrechterhalten, um die Chance für eine zweite Privatisierung nicht zu verbauen.Das teilte ein Sprecher des Schweriner Wirtschaftsministeriums am Mittwoch mit.Seit Wochenbeginn hatten die 300 Arbeiter die Werft für besetzt erklärt.Sie befürchteten, Ende August arbeitslos zu werden, da das Konkursausfallgeld dann ausläuft.Von BvS und der Schweriner Landesregierung hatten sie die Finanzierung einer Beschäftigungsgesellschaft bis Mitte 1998 gefordert. Landeswirtschaftsminister Jürgen Seidel machte bei einem Besuch auf der Werft dem Betriebsrat unterdessen klar, daß es sich um eine "absolute Bevorzugung" des Unternehmens handele.Im Land gebe es zahlreiche andere Unternehmen, die vor dem Aus stehen, aber nicht auf Landeshilfe hoffen können.Hintergrund des Engagements des Landes dürfte sein, daß bei einer Schließung auch die von der EU genehmigten 22 000 CGT (gewichtete Schiffbaukapazität) der Elbewerft dem Land verloren gehen.Hinzu kommen weitere Konkurse, die die Region Westmecklenburg jüngst getroffen haben. Ende Mai hatte die Landesregierung weitere Hilfen für die Elbewerft abgelehnt, nachdem ein Darlehen vom März in Höhe von 12 Mill.DM für Löhne und Gehälter verbraucht worden war, ohne daß sich eine Sanierung abzeichnete.Der geschäftsführende Gesellschafter Eckart Knoth hatte daraufhin Gesamtvollstreckung beantragt.Seitdem bemüht sich ein Sequester um eine zweite Privatisierung.Interesse hat unter anderem die norwegische Kvaerner Werft bekundet, die 1992 bereits die Warnow-Werft in Rostock-Warnemünde von der Treuhandanstalt übernommen hatte.Die Elbewerft-Belegschaft hatte für den Niedergang des Betriebes vor allem die BvS verantwortlich gemacht, da sie den ersten privaten Eigentümer der Werft nach der Wende, den Bremerhavener Unternehmer Dieter Petram, nicht ausreichend kontrolliert habe.Petram hatte die Elbe-Werft 1993 von der Treuhand gekauft und angeblich rund 270 Mill.DM an Sanierungshilfen erhalten.Etwa 2,6 Mill.DM soll Petram laut Betriebsratsvorsitzendem Horst Troschke aus dem Betrieb abgezogen haben.Wirtschaftsminister Seidel betont hingegen, es gebe keine Anzeichen für kriminelle Aktivitäten Petrams.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar