Wann ist die Grenze des Wachstums in Deutschland für dm erreicht?

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Götz Werner im Interview : "Konkurrenz führt in die Irre"
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Noch lange nicht! Wir haben im Drogeriebereich einen Marktanteil von 17 Prozent. Es bleiben noch 83 Prozent für Wachstum. Allerdings gehen wir nur in Regionen, in denen das Einzugsgebiet mindestens 20 000 Menschen umfasst.

Spüren Sie schon Kaufzurückhaltung durch die Krise?
In Deutschland spüren wir nichts, aber in Kroatien und Ungarn. Dort hat es drastische Sparmaßnahmen der Regierungen gegeben, die sich auf die Kaufkraft auswirken. Wenn der Geldbeutel kleiner ist, ist auch die Tragetasche kleiner, mit der die Menschen aus unseren Läden kommen.

In der Krise gerieten die Manager-Boni in die Kritik. Finden Sie auch, dass VW-Chef Martin Winterkorn zu viel verdient?

Es kommt nicht darauf an, was Martin Winterkorn verdient, sondern was er mit dem Geld macht. Es ist doch ein Unterschied, ob ein Manager in Saus und Braus, mit drei Flugzeugen und fünf Häusern lebt, oder ob er mit seinem Geld Universitäten und Pflegeheime unterstützt. Nehmen Sie Herrn Deichmann, der in Indien tolle Projekte macht. So ein Unternehmer müsste noch viel mehr verdienen.

Was die DAX-Chefs verdienen:

Was die Dax-Chefs verdienen
Volkswagen - Martin Winterkorn: 13,2 Millionen Euro (2012: 12,8 Millionen Euro)Weitere Bilder anzeigen
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20.03.2014 17:36Volkswagen - Martin Winterkorn: 13,2 Millionen Euro (2012: 12,8 Millionen Euro)

Wer soll das kontrollieren?

Jeder muss sich fragen, ob er seine Taten vor sich selbst verantworten kann. Wenn Sie vor dem Jüngsten Gericht stehen, wird Christus nicht fragen, was Sie verdient haben, sondern was Sie mit Ihrem Geld und Ihren Talenten gemacht haben.

Bei Ihnen in der Firma gibt es keine Bonuszahlungen. Ist das nicht frustrierend für Ihre Mitarbeiter?

Das tun wir, weil wir davon ausgehen, dass bei uns jeder immer so gut arbeitet, wie er kann. Und nicht besser, sobald er obendrauf einen Bonus bekommt.

Sie wollten als junger Mann das Drogerieunternehmen Ihres Vaters umkrempeln. Fürchten Sie, dass auch Ihre Grundsätze über den Haufen geworfen werden?

Den Vorsitz der Geschäftsführung hat Erich Harsch von mir übernommen. Weder ihm noch meinem Sohn, der seit anderthalb Jahren in der dm-Geschäftsführung ist, mache ich Vorschriften. Wenn meine Ideen stark genug sind, werden sie mich überdauern.

Götz Werner, 1944 in Heidelberg als Sohn einer Drogistenfamilie geboren, gründete 1973 in Karlsruhe unter dem Namen „dm“ seinen ersten Drogeriemarkt. Heute ist das Unternehmen in Deutschland die Nummer eins der Branche. Europaweit beschäftigt dm, das seit 2008 von Erich Harsch geführt wird, 39 000 Menschen und macht einen Jahresumsatz von mehr als sechs Milliarden Euro. Werner, bekennender Anthroposoph, ist in zweiter Ehe verheiratet und hat sieben Kinder. Werner macht sich für das bedingungslose Grundeinkommen stark. Der Staat soll jedem die gleiche Grundsicherung zahlen, unabhängig davon, ob er arbeitet. Finanziert werden soll das Modell über die Mehrwertsteuer.

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