Wirtschaft : Gold für Berlin

Kann das wahr sein? Die Hauptstädter legen ihr Geld angeblich besser an als alle anderen. München verliert.

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Berlin - Na, endlich: Platz eins für Berlin. Ist die Hauptstadt bei Ranglisten sonst erst abgeschlagen auf einem der letzten Plätze zu finden, haben die Privatanleger uns diesmal an die Spitze katapultiert. Berlin ist angeblich die „Stadt mit den besten Anlegern in Deutschland“, urteilt die DAB Bank. Unter 100 000 Depots, die Verbraucher aus 15 deutschen Großstädten bei der Direktbank haben, brachten die der Berliner im ersten Halbjahr 2012 die beste Rendite. Die Anleger der Hauptstadt steigerten den Wert ihrer Depots von Januar bis Ende Juni im Schnitt um 2,3 Prozent und bewiesen damit ein glücklicheres Händchen als Frankfurter, Stuttgarter oder Münchner. Selbst Düsseldorfer, die Zweitplatzierten, brachten es nur auf 1,9 Prozent Rendite.

Ausgerechnet Berlin. Kaum zu fassen. Sonst landet die Hauptstadt höchstens dann auf dem ersten Platz, wenn es etwa um die meisten Staus geht. Bei der Qualität des Bildungssystems dagegen belegen die Berliner den vorletzten Platz. Und auch die Arbeitslosenquote ist einer Studie zufolge in nur zwei Städten noch höher, in Leipzig und Gelsenkirchen.

Da muntern die Werte der DAB auf. Auch weil München, der Musterschüler aus Bayern, bei der Erhebung mit Berlin einfach nicht mithalten kann. Die Münchner Anleger landen auf dem letzten Platz. Statt Geld zu erwirtschaften, haben sie sogar Geld verloren. Die Rendite: minus 1,2 Prozent! Ein herber Rückschlag – bei der letzten Erhebung belegten sie noch Platz zwei. Das Urteil der Banker: Die Münchner bewiesen diesmal „kein gutes Gespür“ für die Finanzmärkte.

Ganz anders die Berliner. Lagen sie bei der ersten Untersuchung noch im Mittelfeld, sind sie jetzt durchgestartet. Dabei dürften die armen Berliner weniger Geld in ihren Depots haben als die reichen Münchner. Wie viel die Hauptstädter bei der DAB angelegt haben, wollte das Institut nicht verraten. Bekannt ist dagegen das Erfolgsrezept: Risiko und Aktien. Gut die Hälfte der Anlagesumme, und damit überdurchschnittlich viel, investierten die Berliner in Anteilsscheine von Firmen. Nur Nürnberger haben noch mehr Aktien im Depot, landen aber abgeschlagen auf Platz 11. 30 Prozent steckten die Berliner in Fonds, zwölf Prozent in Anleihen. Zertifikate oder Gold spielen für sie eine untergeordnete Rolle. „Offensichtlich ein guter Mix“, urteilen die Banker.

Aber mal im Ernst: Heimat und Präferenz einer Anlageform – gibt es da wirklich einen Zusammenhang? Sind Dortmunder „Fans von Anleihen“, wie die DAB behauptet, oder nicht doch in erster Linie Fans des BVB? Sind Dresdner Zocker, weil sie „als spekulativ geltende Optionsscheine“ bevorzugen? Man darf das wohl nicht so streng wissenschaftlich betrachten, sondern mit Gefühl. Und da ist Berlin ja immer vorne mit dabei.

Eine frühere Analyse der DAB-Bank ergab übrigens: Männer erzielen im Schnitt eine höhere Rendite mit ihren Depots als Frauen. Unsere Schlussfolgerung: Berlins Männer sind nicht nur sexy, sondern bald auch reich.

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