Wirtschaft : Gold kostet mehr als je zuvor Preis der Feinunze nähert sich 900-Dollar-Marke

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Berlin - Der Goldpreis ist am Dienstag zum ersten Mal in der Geschichte über die Marke von 880 Dollar je Feinunze (31,10 Gramm) gerückt. Käufer müssen damit für eine Feinunze Gold rund 45 Prozent mehr zahlen als noch vor einem Jahr. Branchenexperten glauben, dass der Rohstoff nach dem Überschreiten des bisherigen Höchstpreises von 850 Dollar vor knapp einer Woche sich noch deutlich verteuert.

„Das wird weitergehen“, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg dem Tagesspiegel. „Die Feinunze wird bald 900 Dollar kosten – und dann sprechen alle von 1000 Dollar.“ Die Commerzbank rät risikobereiten Anlegern, auch nach dem starken Preisanstieg Gold zu kaufen, warnt aber zugleich vor einer „stärkeren Korrektur“ im zweiten oder dritten Quartal.

Die Gründe für die Hausse am Goldmarkt sind vielfältig: Die schlechten Aussichten für die US- Wirtschaft und der schwache Dollar, die Kreditkrise sowie die Angst vor einem zunehmenden Inflationsdruck haben Anleger in Goldanlagen gedrängt. Hinzu kommt die starke Nachfrage aus den boomenden Schwellenländern China und Indien. In Indien wirkt auch die alljährlich wiederkehrende Hochzeitssaison preistreibend, in der Gold in großen Mengen verschenkt wird. Die Schmuckindustrie beansprucht derzeit weltweit 80 Prozent der gesamten Goldnachfrage, allein die indische Branche verbraucht jedes Jahr rund 1000 Tonnen.

Das weltweite Goldangebot, einschließlich Notenbankverkäufen und Recycling, kann den globalen Bedarf von 3600 Tonnen nicht decken. In den großen Abbauländern wie Südafrika, Australien und Kanada werden nur etwa 2500 bis 2700 Tonnen pro Jahr gefördert. Goldfonds, die zuletzt massiv in den Markt eingestiegen sind, sollen inzwischen rund 800 Tonnen Gold halten.

„Es kommen immer mehr Spieler hinzu, vor allem große Investoren, die den Goldmarkt bisher nicht beachtet haben“, sagte Commerzbank-Experte Weinberg. Dennoch sei noch keine gefährliche Euphorie ausgebrochen, die für eine baldige Trendwende spreche. „Die Dynamik ist einfach sehr stark.“ Skeptiker wenden freilich ein, dass der massive Zustrom von Kapital den Goldmarkt überhitzt hat. Sie warnen vor einem Rückschlag, dessen Zeitpunkt Kleinanleger schlecht vorhersagen können. Anlegern, die dennoch auf Gold setzen wollen, empfiehlt Eugen Weinberg, nicht den physischen Rohstoff, sondern vom Goldpreis abgeleitete Wertpapiere zu kaufen. Relativ jung sind sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds). Die Fonds oder Index-Aktien bilden einen Index – in diesem Fall den Goldpreis – möglichst genau ab. mot

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