Wirtschaft : Gold so wertvoll wie vor 18 Jahren

Preis für die Feinunze überspringt historische Marke von 500 Dollar

Nadine Oberhuber

München - Erstmals seit 18 Jahren ist der Goldpreis am Dienstag im Londoner Handel über 500 Dollar geklettert. Diese Marke war zuletzt im Dezember 1987 erreicht worden. Am Dienstag erreichte er zeitweise 502,80 Dollar. Seit Anfang 2005 ist der Goldpreis damit um 14 Prozent gestiegen. Für Euro-Anleger fiel das Plus wegen des schwachen Dollars sogar noch höher aus: 33 Prozent.

Den Gipfel von einst – 1980 kostete die Feinunze 850 Dollar – hat der Goldpreis indes noch nicht erklommen. Erst seit 2001 geht es wieder bergauf. Auf der Suche nach sicheren Anlagewerten drängte es Anleger stärker zum Edelmetall. Die Anschläge am 11. September, die Irak-Krise, der schwache Dollar und das teure Öl hatten die Finanzmärkte verunsichert. Der Goldpreis stieg aber auch, „weil die Spekulation gegen das Gold im Jahr 2001 zusammengebrochen ist“, erklärt Goldmarkt-Kenner Martin Siegel.

Die Nachfrage nach dem Rohstoff, die zu 80 Prozent von der Schmuckindustrie stammt, ist relativ stabil. Das Angebot der Goldminen ebenfalls. Sie fördern berechenbare Mengen zu Tage. „Die Kräfte glichen sich bisher recht gut aus“, sagt Siegel, „bis die Notenbanken zu Beginn der 90er Jahre anfingen, größere Mengen Gold zu verkaufen.“ Sie warfen so viel davon auf den Markt, dass das Angebot kontinuierlich stieg und den Preis drückte. Dadurch nahm auch die Produktion ab, weil sich die Förderung nicht mehr lohnte. Umgekehrt zog der Schmuckmarkt an, weil Gold billiger zu haben war. „Da drehte sich der Markt, so dass der Preis plötzlich stieg, obwohl die Notenbanken weiter verkauften“, erläutert Siegel. Mittlerweile halten sich die Banken zurück.

Der Preis werde dennoch in aufwärtsgerichteten Wellen weiter steigen, argumentiert Richard Mayr, Geschäftsführer des Edelmetallanbieters Argentuminvest. Er hat festgestellt, dass Gold einem Achtjahreszyklus folgt: drei bis vier Jahre herauf, vier bis fünf Jahre herunter. Nach vier Jahren Anstieg befinde sich der Kurs jetzt kurz vor dem Scheitelpunkt. Langzeitbeobachter wie Siegel oder Analyst Martin Weiss sehen im Gold „den nächsten großen Bullenmarkt nach dem Öl“. Die bekannten Bestände sind mit 130 000 Tonnen begrenzt. Die Förderung lässt sich nicht über Nacht steigern. Zugleich wechseln die Ölförderländer ihre Dollars zunehmend in Gold. Ebenso horten Notenbanken in Japan, China und Indien den Rohstoff, weil sie dem Dollar nicht mehr trauen. Kurt Richebächer, Ex- Chefvolkswirt der Dresdner Bank, warnt auch deshalb vor dem Absturz der US-Wirtschaft. „Der Dollar- und der China-Crash kommen auf jeden Fall.“ Experten wie Martin Siegel glauben, dass Gold davon unberührt bleibt – als härteste Ersatz-Leitwährung der Welt.

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