Wirtschaft : Goldener Herbst

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich besser als erwartet. Aber für 2007 sind die Experten skeptisch

Moritz Döbler

Berlin - Im September sinkt die Arbeitslosenzahl regelmäßig – diesmal war der Rückgang aber besonders stark. Die Bundesagentur für Arbeit sprach am Donnerstag von einer überraschend deutlichen Herbstbelebung. 4,238 Millionen Arbeitslose waren registriert, 134 000 weniger als im August und 409 000 weniger als im September vorigen Jahres. Die Arbeitslosenquote sank auf 10,1 Prozent. Auch unter Herausrechnung saisonaler Effekte nahm die Arbeitslosenzahl im Monatsvergleich um 17 000 ab.

Weil die Unternehmen nach Ende der Sommerferien wieder einstellen, spricht man von Herbstbelebung. Verstärkt wurde der Effekt diesmal durch den Aufschwung, der sich im Sommer beschleunigt hat. „Im Fahrwasser der konjunkturellen Aufwärtsentwicklung ist die Arbeitslosigkeit im September deutlich gesunken“, sagte Frank-Jürgen Weise, der Vorstandschef der Nürnberger Behörde, der bereits im vergangenen Monat von einer Trendwende gesprochen hatte.

Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) zeigte sich optimistisch. „Aus der positiven Serie kann die Wende am Arbeitsmarkt werden.“ Gelinge es, „auf gutem Wachstumsniveau“ ins neue Jahr zu gehen, sei der Durchbruch am Arbeitsmarkt zu schaffen, sagte der Vizekanzler. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben, forderte die Politik auf, den „konjunkturellen Schwung“ für umfassende Strukturreformen zu nutzen und so dafür zu sorgen, dass die Entspannung am Arbeitsmarkt anhalte.

Dass es im nächsten Jahr so positiv weitergeht, bezweifelt die Bundesagentur jedoch. Vorstandsmitglied Heinrich Alt sagte, die Wachstumsprognosen für 2007 hätten bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung wahrscheinlich einen Stillstand zur Folge. „Das wäre für den Arbeitsmarkt nicht schön.“ Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung habe seit sechs Monaten zugenommen, das Stellenangebot wachse. Im Juli gab es mit 26,28 Millionen voll beitragspflichtigen Jobs 194 000 mehr als ein Jahr zuvor. Allgemein wird erwartet, dass sich das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr ungefähr halbieren wird. Das wäre dann rund ein Prozent. Dafür verantwortlich gemacht wird die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent. Für das laufende Jahr, für das im Durchschnitt 4,6 Millionen Arbeitslose erwartet wurden, bessern sich dagegen die Prognosen. „Wir werden nach der guten Entwicklung nun etwas besser herauskommen“, sagte Alt und hält 4,5 Millionen Arbeitslose für erreichbar.

Auch in der Hauptstadtregion schlägt die Belebung durch. In Berlin suchten offiziell 287 484 Menschen eine Stelle. Das waren 24 566 weniger als ein Jahr zuvor. Die Quote sank auf 17,1 Prozent. In Brandenburg waren 212 751 Menschen arbeitslos gemeldet, 8811 weniger als ein Jahr zuvor. Die Quote sank auf 16 Prozent. Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) sagte, die Berliner Wirtschaft sei „auf einem guten Weg“, der Aufschwung festige sich. Brandenburgs Arbeitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) betonte, die Arbeitslosenzahl sei im siebten Monat in Folge gesunken. Das sei ein positives Signal für den wirtschaftlichen Aufschwung.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) monierte jedoch, dass in der Region vor allem die Leiharbeit boome. Auch die so genannten Ein-Euro-Jobs nähmen sprunghaft zu. „Die prekäre Beschäftigung weitet sich rasant aus“, sagte der Vorsitzende des Bezirksverbands Berlin-Brandenburg, Dieter Scholz. Mit Billigjobs lasse sich jedoch kein Industriestandort konsolidieren. mit Agenturen

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