Wirtschaft : GOLDENER BODEN

Zu den erfolgreichsten Lobbyisten der vergangenen Jahre in der Hauptstadt zählt die Handwerksbranche. Wer einen Maler oder einen Fliesenleger kommen lässt, kann daher heute den Aufwand zum Teil von seiner Steuerschuld abziehen. Auch am Arbeitslohn von Putzfrau oder Pflegedienst kann man den Fiskus beteiligen. Mit diesen Maßnahmen, so die ursprüngliche Idee, soll die Schwarzarbeit unattraktiver gemacht und das Handwerk gefördert werden. Das kostet freilich viel Geld: 3,3 Milliarden Euro müssen die Steuerzahler derzeit aufbringen – damit sind diese Posten die zweitgrößte Steuervergünstigung in der Bundesrepublik. Zudem gibt es eine ungewollte Nebenwirkung: Die Handwerker hätten seit 2006, als die Maßnahme in Kraft trat, die Preise stark angehoben, hat das Finanzwissenschaftliche Forschungsinstitut der Universität Köln in einer Studie herausgefunden. Zudem „können hier fast ausschließlich oder zum großen Teil Mitnahmeeffekte erwartet werden“, stellen die Ökonomen fest. Der Grund: Viele der Arbeiten, die Handwerker im oder ums Haus erledigen, können von Schwarzarbeitern gar nicht ausgeführt werden. Oder sie werden von Vermietern in Auftrag gegeben, die kaum Interesse an illegaler Beschäftigung haben dürften – sie können die Kosten ja auf die Mieter umlegen. Immerhin ein erhoffter Effekt hat sich seit Einführung der Subvention eingestellt: Die Schwarzarbeit ist zurückgegangen. brö

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