Wirtschaft : Goldenes Bier für den Weltmarkt

Das tschechische Pilsner Urquell tritt gegen internationale Marken wie Carlsberg und Heineken an

Douglas Lytle

Wenn Tony van Kralingen Erfolg hat, wird Pilsner Urquell demnächst Ihre Biermarke. Denn die tschechischen Brauer umwerben nun die Anhänger von Marken wie Carlsberg und Heiniken. Van Kralingen, Vorstandschef von Pizensky Prazdroj, Produzent des beliebtesten Exportbiers der tschechischen Republik, will sein Bier neben Marken wie Heineken, Carlsberg, Stella Artois und Budweiser etablieren. Obwohl Pilsner Urquell seit Jahren weltweit erhältlich ist, will er durch stärkeres Marketing und lizensierte lokale Produktion in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu den fünf Spitzenmarken aufschließen.

Obwohl Tschechien seit dem 13. Jahrhundert für seine leichten Qualitätsbiere bekannt ist, ist es noch nicht lange her, dass tschechische Marken zum Beispiel in den USA konsequent verkauft werden. Seitdem die zweitgrößte Brauerei-Gruppe der Welt, die südafrikanisch-amerikanische SAB-Miller, die Brauerei 1999 kaufte, führt die Marke Pilsner Urquell dabei die Exportwelle an. Pizensky Prazdrojs Gewinn hat sich 2001 im Vergleich zum Vorjahr verfünffacht und die Produktion stieg von 7,74 Millionen auf den Rekord von 7,97 Millionen Hektolitern Bier. Während der Verkauf auf dem heftig umworbenen Markt Tschechienes nur um 1,6 Prozent stieg, konnte der Export einschließlich der ins Ausland vergebenen Lizenzen 45 Prozent Wachstum in einem Jahr verbuchen.

Jetzt soll die Marke Pilsner Urquell weiter ausgebaut werden. Marketing und Verpackung wurden schon aufgepeppt. In Tschechien wird die Marke als „inspirierendes Original“ und im Exportmarkt als „das erste goldene Bier von Welt“ beworben. Gleichzeitig verlässt man sich darauf, dass SAB-Miller bei der Öffnung von wichtigen Märkten wie Deutschland, USA, Kanada und Großbritannien hilft. SAB-Miller produziert die Biere Miller, Carling Black Label und Castle Lager.

Trotz des Rückhalts durch SAB-Miller ist van Kralingen angesichts des Wettbewerbs nicht allzu optimistisch. Der Markt existiere zu lange, um noch große Mengen von Biertrinkern an eine neue Marke zu binden. Pilsner Urquell und andere Marken wie Staropramen von Prazske Pivovary, die zu Interbrew gehört, konnten zwar Gewinne in Deutschland, Polen und Großbritannien verbuchen, nicht aber in den USA. „Budweiser ist seit zwei Jahrzehnten auf dem internationalen Markt und Heineken schon seit vier oder fünf Jahrzehnten. Wir sind jetzt gerade mal zwei Jahre dabei“, sagt van Kralingen.

Die Gesellschaft hat jetzt schon fast 100 Millionen Euro in die Modernisierung ihrer Brauereien, besonders in Verpackung, Abfüllung und Produktionssteigerung gesteckt. Die Hauptbrauerei ist in Pilsen, etwa hundert Kilometer südwestlich der Hauptstadt Prag, mit weiteren Brauereien im ganzen Land und lizensierten Produzenten in Mittel- und Osteuropa. Die Gewinne stiegen von 169 Millionen Kronen im Jahr 2000 auf 838 Millionen Kronen (27,3 Millionen Euro) im letzten Jahr. Der Umsatz stieg in dieser Zeit von 7,46 Milliarden Kronen auf 8,15 Milliarden Kronen.

Mit einem markanten Logo, einer modern aussehenden Flasche und Zapfanlagen für Bars sollen Leute angesprochen werden, die wohlhabend sind und bereit, für ein Bier etwas mehr auszugeben. Van Kralingen hat aber auch entstehende Märkte im Visier und hält China auf lange Sicht für am attraktivsten. „Leider ist der Markt in China sehr auf preiswerte Biere fixiert. Da kann man praktisch kein Geld machen“, sagt er. „Aber das wird sich ändern.“

Übersetzt und gekürzt von Karen Wientgen (Biochips), Christian Frobenius (Pilsener), Tina Specht (Schröder), Matthias Petermann (Sex-Sklaverei) Svenja Weidenfeld (Spione).

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