Goldman Sachs : In Verruf geraten

Die frühere staatseigene Mittelstandsbank IKB prüft mögliche Schadenersatzklagen gegen die unter Betrugsverdacht stehende US-Investmentbank Goldman Sachs.

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Absturz. Goldman-Aktien brachen ein, nachdem die Ermittlungen bekannt wurden. Auch am Montag ging es bergab.
Absturz. Goldman-Aktien brachen ein, nachdem die Ermittlungen bekannt wurden. Auch am Montag ging es bergab.Foto: AFP

BerlinDie deutsche Finanzaufsicht Bafin ist zudem in Kontakt mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC getreten und informiert sich über das Verfahren und die erhobenen Vorwürfe, wie eine Bafin-Sprecherin am Montag sagte. „Es geht zunächst darum, sich konkreter zu informieren.“ Einen Anspruch auf Schadenersatz könne die Behörde nicht prüfen. Sie liefere aber dem Finanzministerium Informationen zu.

Die IKB, die mit Milliarden deutscher Steuergelder gerettet werden musste, teilte am Montag mit, sie prüfe die SEC-Klageschrift, die ihr seit Freitag vorliege, sorgfältig „auf eventuelle Schritte“. SEC und Bafin würden bei ihren Ermittlungen unterstützt. Die IKB-Zweckgesellschaft Rhineland Funding hatte Papiere eines Goldman-Fonds gekauft, der mit dem Platzen der US-Immobilienblase massiv an Wert verloren hatte. Der deutsche Staat und die anderen Banken hatten die IKB als erstes Institut zu Beginn der Finanzkrise vor dem Zusammenbruch retten müssen.

Nach Goldman Sachs geraten unterdessen noch andere Banken ins Visier der SEC. Mehrere Institute hatten 2007 ähnliche Finanzprodukte aufgelegt, mit denen Investoren auf einen Einbruch des US-Häusermarkts wetten konnten. Schuldpapiere, die mit Immobilienkrediten unterlegt waren (CDOs), seien von der Deutschen Bank, der Schweizer UBS und der von der Bank of America übernommenen Investmentbank Merrill Lynch verkauft worden, schreibt das „Wall Street Journal“. Unklar sei, ob die Börsenaufsicht tatsächlich gegen diese Häuser ermittele. Die SEC hatte lediglich mitgeteilt, sie prüfe auch andere Produkte und Transaktionen im Umfeld der CDOs.

Nach derzeitigen Kenntnissen sei die IKB das einzige betroffene deutsche Institut mit früherer staatlicher Beteiligung, sagte die Sprecherin des Finanzministeriums. Sie verwies darauf, dass die Düsseldorfer Bank sich inzwischen nicht mehr im Besitz der öffentlichen Hand befinde und verkauft worden sei. Daher müsse geprüft werden, wer einen möglichen Schadenersatzanspruch für die öffentliche Hand stellen könnte. Dies werde ausgelotet. Die IKB gehört zu 91,5 Prozent dem Finanzinvestor Lonestar.

Die SEC wirft Goldman Sachs vor, Anleger mit einem Finanzprodukt getäuscht und um mehr als eine Milliarde Dollar gebracht zu haben. Die IKB, die vom deutschen Steuerzahler gerettet werden musste, hat laut Anklageschrift fast ihren gesamten Einsatz von 150 Millionen Dollar verloren. Goldman Sachs sieht sich als Opfer des Finanzgeschäfts.

Nicht nur am Aktienmarkt sorgen die Vorwürfe gegen die US-Investmentbank für erhebliche Turbulenzen. Während Finanztitel am Montag kräftig verloren, geriet auch der Goldpreis unter Druck. Das Edelmetall war mit 1124,15 Dollar beziehungsweise 836,40 Euro je Feinunze so billig wie seit Anfang des Monats nicht mehr. „Obwohl Gold als ’sicherer Hafen’ von solchen Marktverwerfungen eigentlich eher profitieren sollte, belasten einige Merkmale dieses Falls“, schrieben die Analysten der Commerzbank in einem Kommentar. Einige Investoren befürchteten offenbar, dass der in den Fall verwickelte Hedge Fonds des Milliardärs John Paulson Gold verkaufen müsse. Laut Klageschrift der SEC soll der Fonds bei den fragwürdigen Geschäften mit Goldman zusammengearbeitet haben. „Außerdem legt im Zuge der Verunsicherung am Markt auch der US-Dollar stark zu, was Gold besonders belastet“, schrieb die Commerzbank. (mit rtr/dpa)

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