Wirtschaft : Goldman Sachs lobt den Standort Deutschland Arbeitskosten sind deutlich gesunken

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Berlin Die deutsche Wirtschaft steht nach Ansicht der Investmentbank Goldman Sachs im Vergleich mit den anderen Ländern der Euro-Zone derzeit so gut da wie seit zehn Jahren nicht mehr. „Die Ausgangslage der deutschen Wirtschaft für einen Aufschwung ist viel besser, als sie oft beschrieben wird“, sagte David Walton, Chefökonom für Europa bei der Investmentbank Goldman Sachs, auf der Frühjahrstagung des internationalen Forschernetzwerks CES-Ifo in Berlin.

Die deutsche Wirtschaft sei zwar noch nicht komplett über den Berg, sie habe aber „ihre Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zum Rest der Euro-Zone wiedererlangt“, schreiben die Goldman-Sachs-Ökonomen in einer aktuellen Studie. Goldman Sachs zeichnet damit ein deutlich positiveres Bild vom Wirtschaftsstandort Deutschland als die Mehrheit der heimischen Volkswirte. So sieht sowohl das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel als auch das Münchner Ifo-Institut Deutschland in diesem Jahr erneut als Schlusslicht in der Euro-Zone. Langfristig trauen beide Institute der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone nur noch ein Wirtschaftswachstum von rund einem Prozent zu. Goldman Sachs ist deutlich zuversichtlicher und beziffert das jährliche Wachstumspotenzial auf rund 1,8 Prozent.

Allerdings stehen die Goldman- Sachs-Volkswirte mit ihrer Zuversicht nicht alleine da. Im „Global Competitiveness Index“, den das World Economic Forum im vergangenen Oktober erstmals vorlegte, landete Deutschland auf dem sechsten Platz und schnitt damit besser ab als Großbritannien und Frankreich. In der vergangenen Woche hatte auch die Bertelsmann-Stiftung vor überzogenem Pessimismus gewarnt. „Wir sehen einen ersten Silberstreif am Horizont“, sagte Stefan Empter, Mitglied der Geschäftsleitung der Bertelsmann Stiftung. In einem umfassenden Standort-Ranking der Stiftung habe sich Deutschlands Position vom vorletzten auf den 17. Platz unter 21 Industrienationen verbessert.

Europa-Experte Walton begründet sein positives Urteil über den Wirtschaftsstandort Deutschland vor allem mit der positiven Entwicklung der Arbeitskosten in den vergangenen Jahren: „Insgesamt ist es der deutschen Wirtschaft gelungen, die Lohnstückkosten vor allem im verarbeitenden Gewerbe deutlich zu senken und fast das Niveau Frankreichs zu erreichen.“

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch die Bundesbank: „Auf breiter Basis wurden von Unternehmen Einsparpotenziale bei den Lohnkosten genutzt, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und einen Beitrag zur Sicherung des Standortes Deutschland zu leisten“, heißt es im Geschäftsbericht 2004. Viele Firmen hätten die Lohnkosten je Arbeitsstunde gesenkt, indem sie die regelmäßige Wochenarbeitszeit ohne entsprechenden Lohnausgleich verlängert hätten.

Nach Ansicht von Walton hat die deutsche Wirtschaft eine harte Phase der Restrukturierungen hinter sich – der Arbeitsplatzabbau und die ausgeprägte Investitionszurückhaltungen waren Folgen. Allerdings sieht Walton inzwischen Licht am Ende des Tunnels: Zum ersten Mal seit 2000 dürften die Investitionen 2005 wieder zulegen – im weiteren Jahresverlauf kämen auch die Einkommen der privaten Haushalte und die Konsumausgaben wieder in Schwung. Walton liefert weitere Gründe für seine Zuversicht: Berücksichtige man die Produktivität, sei der Lohnabstand Deutschlands zur osteuropäischen Konkurrenz geringer.

Zusätzlichen Schub erwarten Ökonomen von der auf dem Jobgipfel angedachten Senkung der Unternehmenssteuern. Ralf Zimmermann vom Kölner Privatbankhaus Sal. Oppenheim hält es für möglich, dass die Körperschaftsteuersenkung bereits zum 1. Januar des kommenden Jahres umgesetzt werden kann. „Die Vorschläge sollten den deutschen Aktienmarkt unterstützen“, sagt Zimmermann. „Es ist positiv, dass das Reformthema in Deutschland verschärft wird“, sagt Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. Und Martin Kachelrieß von der Hypo-Vereinsbank erklärt: „Die Signalfunktion einer niedrigeren Steuerrate und die steigende Transparenz durch den Abbau von Steuervergünstigungen macht Deutschland attraktiver für ausländische Investoren." doh/scc/HB

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