Goldpreis : Der helle Schein

Der Goldpreis erreicht immer neue Rekorde. Dahinter steckt die Furcht der Anleger vor einem beschleunigten Verfall des Dollars.

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Der Goldpreis kennt derzeit kein Halten. Vergangenen Donnerstag erreichten die Notierungen mit einem Preis von mehr als 1050 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) schon wieder ein Rekordhoch. Experten erwarten einen weiteren Anstieg bis auf 1100 Dollar, einige prognostizieren für die nächste Zeit eine Bergfahrt bis 1400 Dollar je Feinunze – obwohl die Wirtschaftskrise abklingt und vorerst keine übermäßige Inflation droht.

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Denn normalerweise gilt Gold in solchen Fällen als Krisenwährung. Gleichwohl hat die jetzige Entwicklung mit einer Krise zu tun – nämlich der anhaltenden Schwäche des US-Dollars, der angesichts der massiven Verschuldung der USA seinen Nimbus als Leitwährung der Welt zu verlieren droht. Anleger flüchten deshalb ins Gold, sagen Experten.

„Die Investoren betrachten Gold als Sicherungsgeschäft gegen die Dollarschwäche“, urteilt Adriah Koh, Rohstoff-Analyst bei Philipp Futures. Dabei kaufen sie in der Mehrzahl offenbar nicht direkt Gold, sondern setzen auf Exchange Traded Funds, also auf Goldfonds, die an der Börse gehandelt werden. Diese müssen Gold physisch als Sicherheit hinterlegen. Seit Jahresanfang sind ihre Bestände Fachleuten zufolge zum Teil um mehr als 40 Prozent gestiegen.

Auch die Nachfrage von Privatanlegern nach Goldmünzen und Goldbarren mit einem Gewicht zwischen 100 und 1000 Gramm hat nach Angaben von Robert Hartmann vom Gold-Handelshaus Pro Aurum deutlich angezogen. Die Kurse von Goldminenaktien konnten im Zuge des Goldpreisanstiegs ebenfalls deutlich zulegen.

Getrieben wird die Entwicklung am Goldmarkt auch von jüngsten Überlegungen der Ölstaaten am Golf, sich künftig die Ölrechnung nicht mehr in Dollar begleichen zu lassen, sondern Rechnungen auf der Grundlage eines Währungskorbs aus japanischem Yen, chinesischem Yuan, Euro und Gold zu akzeptieren. Was Autofahrern und Industrie in Europa gefällt, weil sie wegen des schwachen Dollar und des starken Euro weniger für das Öl bezahlen müssen, missfällt den Scheichs, weil sie eben weniger für das schwarze Gold bekommen.

Daneben beginnt, wie Carsten Fritsch von der Commerzbank sagt, in Indien die Feiertags- und Hochzeitssaison. Und da spielt Goldschmuck eine große Rolle, was wiederum die Nachfrage anheizt. 70 Prozent des weltweiten Goldbedarfs entfallen auf die Schmucknachfrage aus Indien, China und den arabischen Ländern. Allein im September importierte Indien rund 50 Tonnen Gold. Das ist allerdings rund ein Drittel weniger als vor einem Jahr. Für das gesamte Jahr wird die Nachfrage aus dem Subkontinent auf 500 bis 550 Tonnen geschätzt, das wären 30 Prozent weniger als 2008 und das niedrigste Niveau seit zwölf Jahren. Bei nur zehn Prozent liegt im Übrigen der Anteil, den die Industrie braucht. Allerdings könnte der hohe Goldpreis die Nachfrage auch wieder bremsen, fürchten die Banker.

Weltweit standen im vergangenen Jahr 3436 Tonnen Gold zur Verfügung, davon 2385 Tonnen aus Minen und 1108 Tonnen aus Recycling. Größter Nachfrager war die Schmuckindustrie mit 2137 Tonnen, gefolgt von den Gold-Fonds mit einem Bedarf von 1209 Tonnen.

Angesichts der schwachen US-Währung ist die Entwicklung des Goldpreises in Euro im Übrigen eher enttäuschend. Mit gut 710 Euro kostet die Feinunze trotz eines Preisanstieges in den vergangenen Tagen immer noch rund 80 Euro weniger als im Februar. Damals wurde die Feinunze zum Rekordpreis von 793 Euro gehandelt.

Für den Goldpreis in Dollar dagegen bleiben Experten „bullish“, sie erwarten also stetig steigende Preise. Mit mindestens 87 Dollar werde es im Schnitt pro Jahr nach oben gehen, sagt etwa US-Analyst James West von Midas. 2000 Dollar und mehr hat er im Blick. „Diese Zahl macht die eher befremdlich wirkenden Vorhersagen von etwa 5000 Dollar pro Unze und, die unwahrscheinlichste aller Prognosen, von 10 000 Dollar etwas weniger aberwitzig. Dies wird nun ein Stück wahrscheinlicher.“

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