Wirtschaft : Goleo-Hersteller unter Verdacht

Nici meldet Insolvenz an – jetzt prüft der Staatsanwalt, ob auch die Bilanz gefälscht wurde

-

Berlin/Hof - Die Staatsanwaltschaft in Hof prüft eine Anzeige wegen des Verdachts der Bilanzfälschung gegen Nici, den in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Hersteller des WM-Maskottchens Goleo. Die Anzeige sei in der Wirtschaftsabteilung eingegangen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Schmitt am Dienstag auf Anfrage. Zum Inhalt wollte Schmitt sich zunächst nicht äußern.

Unterdessen hat der Plüschtierhersteller am Dienstag Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Dies bestätigten Sprecher des Amtsgerichtes Coburg sowie des Unternehmens. Zum Insolvenzverwalter hat das Gericht den Münchener Rechtsanwalt Michael Jaffé bestellt. Die Hintergründe der finanziellen Schieflage sollen an diesem Mittwoch bekannt gegeben werden. Hauptauslöser der finanziellen Probleme soll die mangelnde Nachfrage nach dem offiziellen WM-Maskottchen Goleo sein.

Das Unternehmen begründete den Schritt in die Insolvenz damit, dass bei einer Überprüfung „eine erhebliche bilanzielle Unterdeckung“ festgestellt worden sei. Das Loch in der Bilanz habe dazu geführt, dass die Gläubiger die Kreditlinien von Nici eingefroren hätten. Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter solle zeitnah eine Finanzplanung erarbeitet werden, mit dem Ziel, das operative Geschäft der Nici AG zu erhalten und zu restrukturieren, hieß es. Unternehmensgründer Ottmar Pfaff sei nicht mehr im Vorstand.

Die Nici AG mit Sitz im fränkischen Altenkunstadt hatte vom Fußballweltverband Fifa für die Löwenfigur Goleo eine europaweite Lizenz erworben. Lizenzvermittler war das Medienunternehmen EM.TV. „Nici ist seinen Verpflichtungen bislang immer nachgekommen“, sagte ein EM.TV-Sprecher dem Tagesspiegel. Darüber hinaus habe man keinen Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse gehabt. EM.TV habe im Auftrag der Fifa an mehr als 50 Unternehmen Lizenzen vermittelt – und dies mit Erfolg. „Für uns ist die Fußball-WM schon jetzt ein lohnendes Geschäft“, sagte der Sprecher. Die in Medienberichten kolportierten 28 Millionen Euro, die Nici an Lizenzgebühr gezahlt haben soll, nannte der Sprecher „deutlich zu hoch“. Angaben über die tatsächliche Höhe machte er nicht. mot/dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben