Wirtschaft : Google lässt sich nicht aufhalten

Internetkonzern will nach der Übernahme der Online-Werbefirma Double-Click auch im Radio groß ins Geschäft kommen

Henrik Mortsiefer

Berlin - Google ist nicht zu bremsen: Nachdem der Internetkonzern erst am Wochenende den Kauf der Online-Werbefirma Double-Click für umgerechnet 2,3 Milliarden Euro bekannt gegeben hatte, steht der Suchmaschinenbetreiber nun vor einem weiteren Megadeal – im Geschäft mit Radiowerbung.

Google werde 30-Sekunden-Werbespots für mehr als 675 Sender des größten US-Rundfunkkonzerns Clear Channel vermarkten, teilte das Unternehmen im kalifornischen Mountain View am Montag mit. Damit gelingt Google, das schon mit 800 kleineren Radiostationen in den USA kooperiert, die angestrebte Expansion im Geschäft mit Radiowerbung. Anzeigenkunden können ihre Spots über den Internet-Dienst Google Audio in Auftrag geben und dabei Zielgruppe, Sendezeit und Region aussuchen. Angaben zum Wert des Vertrags, der über mehrere Jahre laufen soll, machten die Unternehmen nicht.

Googles Wettbewerber sind vom rasanten Wachstum des Online-Konzerns alarmiert. So soll Microsoft laut „Wall Street Journal“ mit anderen Technologiefirmen den Widerstand der Kartellbehörden gegen Google organisieren. Vertreter von Microsoft und des Telekom-Konzerns AT & T warnten am Montag vor einer Einschränkung des Wettbewerbs bei Internetwerbung. Die Unternehmen – pikanterweise ebenfalls unter Monopolverdacht – verstärkten damit die Kritik an der „Krake“ Google, die in immer neuen Geschäftsfeldern Einfluss gewinnt.

Vor Augen haben die Konkurrenten die offenbar unaufhaltsame Ausdehnung des Internetkonzerns Google zu einem Medien- und Werbeunternehmen. Nervös geworden sind inzwischen nicht nur klassische Technologiefirmen wie Microsoft, Yahoo oder AOL, sondern auch traditionelle Medienkonglomerate wie Time Warner, Viacom oder News Corp.

Alle zusammen haben den gigantischen globalen Anzeigenmarkt im Volumen von 430 Milliarden Euro im Blick, der sich zunehmend ins Internet verschiebt. 2007 werden schätzungsweise 23 Milliarden Euro für Werbung im Netz ausgegeben, was nur knapp sieben Prozent des gesamten Marktes entspricht. Doch das Werbesegment wächst wie kein anderes – und alle wollen von diesem Wachstum ein möglichst großes Stück abbekommen.

Google erzielt heute noch 99 Prozent seines Umsatzes (2006: 7,7 Milliarden Euro) mit suchwortbasierter Werbung. Die erfolgreiche Suchmaschine im Netz ist zwar die dominierende, doch nicht mehr die einzige Erlösquelle. Die Vermittlung von Anzeigen im Radio, Fernsehen sowie in Zeitungen und Magazinen ist hinzugekommen. Nach dem Kauf von Double-Click wird Google auch mit grafischer Internetwerbung wie Bannern Geld verdienen.

Außerdem verspricht sich der Konzern neue Einnahmequellen im Umfeld des defizitären Videoportals Youtube, das Google 2006 kaufte. Inwieweit die Youtube-Kalkulation aufgeht, hängt allerdings auch davon ab, ob Urheberrechtsklagen von Medienkonzernen wie Viacom Erfolg haben, die sich gegen die Verbreitung geschützter Inhalte über die angesagte Videoplattform wehren.

Zumindest nach außen geben sich Google-Vorstandschef Eric Schmidt und die Gründer Sergey Brin und Larry Page cool. 2004 an der Börse mit der Losung „Don’t be evil – Sei nicht böse“ gestartet, haben sie den Börsenwert von Google in drei Jahren auf 106 Milliarden Euro getrieben. Die Beteiligung an AOL (730 Millionen Euro), der Kauf von Youtube (1,2 Milliarden Euro), die Übernahme von Double-Click – die Börse begleitet die Expansion wohlwollend bis euphorisch. Die Papiere von Yahoo und Microsoft hat Google lange hinter sich gelassen.

Am Montag bekräftigten die Analysten der US-Großbank Citigroup ihre Kaufempfehlung für die Aktie – Kursziel: 600 Dollar. Gemessen am aktuellen Kurs entspräche dies noch einmal einem Kurssprung von knapp 27 Prozent.

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