Google Play Music : Gema lobt Google

Beim neuen Musikdienst des US-Konzerns sind die Rechte geklärt – mit Youtube wird weiter gestritten.

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Musik nach Wahl. Googles Musikangebot umfasst 20 Millionen Songs.
Musik nach Wahl. Googles Musikangebot umfasst 20 Millionen Songs.Foto: IMAGO

Berlin - Google-Deutschland-Sprecher Stefan Keuchel hat die Antwort auf die spannendste Frage gleich vorweggenommen: „Dieser Vertag bezieht sich ,nur‘ auf den neuen Streaming Service, aber nicht auf andere Angebote“, teilte er am Freitagmorgen zum Start des neuen Musikabodienstes Google Play Music „All-inclusive“ in Deutschland im Internet mit. Seit Freitag steht der Dienst, mit dem man für zur Zeit 7,99 Euro monatlich Musik aus einem Katalog von 20 Millionen Songs beliebig oft anhören kann, auch in Deutschland zur Verfügung.

In vielen anderen Ländern können die Internetnutzer bereits seit März auf die Alternative zu Konkurrenten wie Napster oder Spotify zugreifen. Überraschend ist es jedoch nicht, dass es in Deutschland etwas länger gedauert hat, sondern vielmehr, dass sich Google und die Gema doch verhältnismäßig schnell einigen konnten. Seit mehr als vier Jahren streitet sich der Internetkonzern nämlich mit der Interessensvertretung von 65 000 Komponisten, Textautoren und Musikverlegern über einen neuen Vertrag für Googles Videoplattform Youtube.

Tatsächlich fällt es schwer, die Unterschiede zwischen den beiden Diensten zu erkennen. Für die Gema fällt der Tarif für Google Play Musik unter die kostenpflichtigen Streamingangebote. Für Youtube gelte hingegen ein anderer Tarif, weil sich dieser Dienst nicht über ein Abo, sondern über Werbeerlöse finanziert. Aus diesem Grund könne man die Verhandlungen mit Youtube nicht mit Google Play Music vergleichen.

Kompliziert wird die Lage dadurch, dass Konkurrenten wie Spotify eine zweigleisige Strategie fahren. So bietet der aus Schweden stammende Dienst einerseits einen für die Nutzer kostenfreien Zugang an, dafür werden zwischen die Songs Werbeclips geschaltet. Für rund zehn Euro im Monat gibt es aber auch einen werbefreien Zugang.

Ein Kombinationsmodell wie bei Spotify wird von Google jedoch für Youtube nicht angestrebt. Aus Sicht des US-Konzerns sind die von der Gema verlangten Summen darum zu hoch. So könne Youtube nicht profitabel betrieben werden. Zur Zeit liegen die Verhandlungen zwischen Google und der Gema auf Eis, die Schiedsstelle beim Deutschen Patent- und Markenamt soll nun schlichten. „Anfang des Jahres dürfte da einiges in Bewegung geraten“, sagte der Gema-Sprecher am Freitag.

Zu den Besonderheiten des neuen Google-Abodienstes gehört zudem, dass die Nutzer ihre vorhandene digitale Musikbibliothek auf den Cloud-Server des Internetkonzerns hochladen können, um die Songs von überall aus abzurufen. Zusätzlich gibt es eine Radio-Funktion. Den Nutzern wird dabei ein auf sie zugeschnittenes Programm zusammengestellt. Alternativ dazu stellt Google Abspiellisten und Empfehlungen bereit, damit die Nutzer „ihren musikalischen Horizont erweitern können“, wie Produktmanagerin Sara Hecht zum Start des Dienstes sagte. Google Play Music ist über das Internet oder als App für Android und Apple-Geräte verfügbar. Kurt Sagatz

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