Wirtschaft : Google verbannt BMW aus seinem Verzeichnis

Autobauer soll Internet-Auftritt manipuliert haben

-

Berlin - Google ist der Türsteher des Internets und lässt die Muskeln spielen. BMW hat das zu spüren bekommen – immerhin der drittgrößte deutsche Autobauer nach VW und Daimler-Chrysler. Die Suchmaschine hat die deutschen Internetseiten von BMW aus seinem Verzeichnis gelöscht: www.bmw.de lässt sich über Google nicht mehr finden. Bisher ging Google vor allem in den USA hart gegen Manipulationen vor, in Europa ist BMW der erste spektakuläre Fall. Bisher hatte es Anbieter wie automobile.de getroffen.

BMW hatte seine Seite so gestaltet, dass sie in der Ergebnisliste von Google möglichst weit vorne erscheint. So ähnlich schummeln sich kleine Firmen an die Spitze des Branchenbuchs: Sie nennen sich „AAA Autohandel“. Im Internet ist das technisch zwar aufwändiger, das Prinzip aber ähnlich.

Google-Sprecher Stefan Keuchel nennt die BMW-Manipulationen „Suchmaschinen-Spam“. Das Unternehmen will demonstrieren, dass es offensiv dagegen vorgeht: „Wer spamt, wird aus dem Index verbannt“, sagt Keuchel. Der Vorwurf: Wer sich in der Liste nach vorne schummelt, führt den Nutzer in die Irre. BMW verteidigt sich. Sprecher Markus Sagemann sagt: „Wir haben niemanden in die Irre geführt, sondern lediglich dafür gesorgt, dass unsere Kunden uns besser finden.“ Tatsächlich lässt sich das Vorgehen des Autokonzerns kaum mit Anbietern vergleichen, die bei den Suchmaschinen mit kostenlosen Diensten werben und durch die Hintertür kassieren.

Im Fall BMW geht es auch nicht um neue Kunden. Nur 0,4 Prozent der 1,1 Millionen Besucher gelangen über Google zu BMW, heißt es beim Autobauer.

Stefan Karzauninkat vom Google-Konkurrenten Seekport sieht Versäumnisse bei der Gestaltung der BMW-Website. „Die Seiteist technisch so schlecht für Suchmaschinen gestaltet, dass sie von diesen kaum gefunden wird.“ Deshalb habe BMW oderderen Agentur bei der Optimierung zu teilweise plumpen Methoden gegriffen und sei so über das Ziel hinausgeschossen. Die Alternative sei eine Neugestaltung der Webseite gewesen, was Millionen kosten könne. Die Reaktionen auch in den Medienzeige die enorme Marktmacht von Google und sei ein deutliches Zeichen an alle Suchmaschinenoptimierer, sich an die Regelnzu halten. Der Fall BMW sei sicher keine der schlimmsten Manipulationen.

BMW will jetzt einen Antrag auf Wiederaufnahme in den Google-Index stellen. Es kann dauern, den Türsteher gnädig zu stimmen. Ein paar Tage bis zu einem halben Jahr, heißt es in der Branche. otr

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben