Wirtschaft : Google verkauft Motorola nach China Lenovo übernimmt Handy-Sparte

Mountain View - Der US-Internetkonzern Google bleibt eine Geldmaschine. Im Schlussquartal 2013 verdiente das Unternehmen aus dem Silicon Valley dank eines florierenden Werbegeschäfts unterm Strich 3,4 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro). Das war ein Plus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie Google am Donnerstag mitteilte. Die Handytochter Motorola blieb aber ein Verlustbringer. Sie verlor operativ 384 Millionen Dollar und damit mehr als doppelt so viel wie noch vor einem Jahr. Google hatte Motorola erst vor zwei Jahren übernommen und hatte am Donnerstag überraschen mitgeteilt, die Sparte nach China weiterzuverkaufen.

Der weltgrößte PC-Anbieter Lenovo will knapp drei Milliarden Dollar (2,2 Milliarden Euro) für Motorola zahlen und steigt damit zur Nummer drei im Smartphone-Markt auf. Google hatte für Motorola noch 12,5 Milliarden Dollar bezahlt. Weil einige Geschäftsteile aber bereits veräußert wurden, Google einen großen Anteil der Patente behält und steuerliche Vorteile geltend machen konnte, beendet Google nach Meinung des Branchenexperten Ralf Kaumanns das Motorola- Abenteuer wohl mit einer schwarzen Null oder sogar einem kleinen Gewinn.

Lenovo will stärker ins Smartphone- Geschäft einsteigen und kann vor allem in den USA die bekannte Marke Motorola gut gebrauchen. Lenovo verkauft seine Computer-Telefone bisher vor allem in China. Schon damit war der Konzern nach Berechnungen des Marktforschers IDC 2013 weltweit die Nummer fünf im Smartphone-Markt mit 45,5 Millionen verkauften Geräten und einem Marktanteil von 4,5 Prozent. Motorola verkauft schätzungsweise etwa ein Drittel davon. Nun will Lenovo seine Smartphones unter anderem nach Westeuropa bringen. Der Abstand zu den führenden Herstellern bleibt aber groß: Von Samsung kam im vergangenen Jahr rund jedes dritte Smartphone weltweit, Apple lag bei etwa 15 Prozent.

„Wir wollen ein Global Player im Smartphone-Bereich werden“, sagte Lenovo-Chef Yang Yuanqing dem „Wall Street Journal“. Im Jahr nach Abschluss der Übernahme wolle Lenovo 100 Millionen Telefone weltweit verkaufen. Motorola sei eine „Abkürzung auf dem Weg zum amerikanischen Markt“. Bereits 2005 waren die Chinesen einen ähnlichen Weg gegangen, als sie die PC-Sparte von IBM übernahmen.

Google-Chef Larry Page begründete den Verkauf damit, dass Motorola im scharfen Wettbewerb in der Branche bei einem reinen Gerätehersteller wie Lenovo besser aufgehoben sei. Google könne sich nun ganz auf Innovationen bei seinem Betriebssystem Android konzentrieren. Das Innovationslabor von Motorola bleibt bei Google. dpa

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