Wirtschaft : Google will alles wissen

Die Internet-Suchmaschine erweitert das Angebot, doch die US-Fernsehsender machen Probleme

Kevin J. Delaney,Brooks Barnes

Die Internetsuchmaschine von Google ist ein Erfolg. Aber das Ziel, das sich das Unternehmen gesetzt hat, ist ein viel größeres: Sämtliche Informationen der Welt zu bündeln und abrufbar zu machen. Doch je weiter Google sich über das Web hinauswagt, desto schwieriger wird der Weg. Das haben erst vor kurzem die geschäftlichen Querelen mit einigen großen Fernsehsendern gezeigt. Ende vergangenen Jahres begann Google, in der Region San Francisco ausgestrahlte TV-Programme aufzuzeichnen – allerdings ohne die Genehmigung der Sender einzuholen. Im Januar startete Google testweise seinen Suchdienst Video Google, der dem Benutzer bei Eingabe eines Suchbegriffs – etwa „Michael Jackson“ – Standbilder und Textauszüge von Fernsehsendungen liefert. Als die Sender das herausfanden, waren einige alles andere als erfreut und machten mögliche Urheberrechtsverstöße geltend.

Google aber sieht sich im Recht. Die Begründung: Es würden ja lediglich Standbilder und Textauszüge geboten und daher sei eine Genehmigung der Sender nicht nötig. Laut Jennifer Feikin, Chefin von Google Video, würde jede Sendung aus dem Suchdienst entfernt, wenn der Rechteinhaber es verlangt. Gleichzeitig betont Feikin, dass die Reaktion der Fernsehbranche insgesamt bislang „recht positiv“ ausgefallen sei. Einige Geschäftsführer der Sender, die sich laut beschwert hätten, würden sogar ein prinzipielles Interesse, mit Google zusammenzuarbeiten, nicht ausschließen – sofern angemessene Konditionen ausgehandelt würden.

Das Unternehmen Google wächst rasant. Der Nettogewinn konnte im vergangenen Jahr fast um das Vierfache auf 399 Millionen US-Dollar (330,5 Millionen Euro) gesteigert werden. Der Umsatz lag bei 3,2 Milliarden US-Dollar, weitgehend erwirtschaftet durch Einnahmen aus der an die Suchresultate gekoppelten Werbung. Der Aktienwert des Unternehmens hat sich seit dem Börsengang 2004 mehr als verdreifacht. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass schwierigere Zeiten auf den Suchmaschinenbetreiber zukommen. Seine Versuche, weitere Informationsbereiche abzudecken – etwa Bücher, Fernsehen und wissenschaftliche Werke, erweisen sich als kostspieliger und zeitaufwändiger als die schlichte automatisierte Web-Suche, die das Wachstum der ersten Jahre vorantrieb.

Abgesehen von den Schwierigkeiten, ältere TV-Programme und andere Materials in digitale Formate umzuwandeln, gibt es eben vor allem das Problem der Urheberrechte. Die Wahrscheinlichkeit, dass auf Google deswegen künftig gerichtliche Verfahren oder langwierige Verhandlungen mit tausenden von Rechteinhabern zukommen, ist groß. Der Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt bestätigt, dass die Suche nach Videomaterial komplizierter ist als frühere Suchaufgaben. „Natürlich müssen wir mit dem jeweiligen Rechteinhaber verhandeln, und damit kommen weit höhere Kosten auf uns zu als bei dem, was wir vor drei oder vier Jahren taten“, sagt Schmidt.

Seit Sergey Brin und Larry Page die Firma 1998 gründeten, hat Google mehr als acht Milliarden Webseiten und 1,3 Milliarden Bilder katalogisiert. Die Mission lautet: „Weltweite Informationen organisieren und universell zugänglich und nutzbar machen.“ Video ist für Google vielleicht der wichtigste Bereich, weiter expandieren zu können. Denn es ist das Medium, mit dem sich die Amerikaner am meisten beschäftigen.

Vergangenes Jahr begann der Suchmaschinenbetreiber, mit TV-Verantwortlichen über seine Videopläne zu sprechen. Dann überraschte Google einige Sender mit der Mitteilung, man hätte bereits mit dem Aufbau einer digitalen Datenbank ihrer Programme begonnen, einschließlich einer Untertitelung für Hörgeschädigte. Laut Rick Cotton von NBC Universal habe Googles „überrumpelnde Vorgehensweise“ die Gespräche zum Stillstand gebracht. „Das ist keine Art und Weise, wie man geschäftlichen Umgang miteinander pflegt, egal ob es sich um ein alteingesessenes oder ein junges Unternehmen handelt“, schimpft Cotton.

Jennifer Feikin von Google sagt, dass der derzeitige Google Video-Suchdienst ein „Lockangebot“ sei. Sie habe Verständnis für die Sorge der Fernsehsender. „Wir werden nicht in die nächste Phase einer Videowiedergabe eintreten, ohne die Sender über eine Lizenzvereinbarung zu beteiligen“, sagt Feikin. Bei ABC, CBS, Fox und NBC heißt es, man führe noch Gespräche mit Google. „Wir sehen diese Suchmaschinen keineswegs als einen Feind“, sagt Leslie Moonves von Viacom, der Mutter des US-Senders CBS. „Doch als Inhaltsanbieter müssen wir gleichzeitig sicherstellen, dass unseren Bedürfnissen entsprochen wird.“ Nach Ansicht von Jeff Zucker, Präsident der NBC Universal Television Group, hat Google noch einiges zu tun, bevor eine Zusammenarbeit möglich ist. „Wir müssen erst noch einen Geschäftsvorschlag sehen, der anerkennt, was Inhaltsanbieter auf den Tisch bringen“, sagt Zucker. „Wir müssen angemessen bezahlt werden und wir müssen die Sicherheit haben, dass unsere Inhalte geschützt sind.“

Google-Chef Eric Schmidt bleibt dennoch gelassen. Denn er weiß, dass die Mission des Suchmaschinenbetreibers eine sehr langfristige ist. „Nach derzeitigen Schätzungen wird es 300 Jahre dauern, alle Informationen der Welt zu organisieren“, sagt er.

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