Wirtschaft : Grand Prix der Visionen

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Manche glaubten an Vergeltung: Großbritannien sollte für seine Beteiligung am Irakkrieg ins Mark getroffen werden. Erstmals in der 47jährigen Geschichte des Schlager-Grand-Prix hat es Großbritannien geschafft, keinen einzigen Punkt zu erhalten. Nicht einen einzigen. Unerheblich, dass der Vortrag „Cry Baby“ von dem Liverpooler Duo „Jemini“ lausig war. Tony Blair habe es vermasselt, so die Kommentatoren. Schließlich hätten die Türkei, Belgien und Russland, alle Gegner der amerikanischen Irakpolitik, in Lettland die ersten drei Plätze belegt. Es mag sein, dass die Popmusik-Fans die Reihen gegen Großbritannien geschlossen haben, aber außerhalb der Glitzer- und Kitschwelt des jährlichen Gesangswettbewerbes stehen andere auf dem Siegertreppchen.

Frankreich, Deutschland und Russland haben eine UN-Resolution unterstützt, durch die die sinnlosen und destruktiven Sanktionen gegen den Irak aufgehoben werden und das korrupte Programm „Öl für Lebensmittel“ ausläuft. Die Aufhebung beendet die UN-Kontrolle über die irakischen Öleinnahmen und erkennt formal die britisch-amerikanische Macht über den Irak in der Übergangsphase zur demokratischen Selbstbestimmung an. Soweit der Plan der UN eine beratende Rolle zubilligt, ist dieses Zugeständnis an die Forderung Frankreichs nach einer „zentralen“ UN-Rolle symbolischer Natur. Ohne Seitenhieb auf Washington konnte Frankreichs Außenminister Dominique de Villepin die Resolution nicht unterstützen. „Es geht darum, die Notlage, die Unsicherheit und die Schwierigkeiten, die derzeit im Irak bestehen, zu meistern“, sagte er. „Es geht nicht im geringsten darum, den Krieg zu rechtfertigen.“ Gerhard Schröder schlug versöhnlichere Töne an, als er forderte, die Sanktionen „so schnell wie möglich“ aufzuheben. Das machte es für Frankreich unmöglich, in Opposition zu verharren.

Die USA und Großbritannien erweisen sich derweil als machtvolles Duo. Nachdem sie den Krieg gewonnen haben, suchen sie jetzt Wege, um den Irak wieder aufzubauen, ein Friedensprogramm für den Nahen Osten durchzusetzen und die terroristische Hydra zu bekämpfen. Natürlich wird es immer Richter geben, die sich weigern, eine erfolgreiche Darbietung anzuerkennen. So war es bei „Cry Baby“ nicht.

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