Green Economy : Berliner Wirtschaft soll grüner werden

Die IHK fordert ein neues Cluster Green Economy und mehr Initiative der Wirtschaftspolitik – Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer fühlt sich bestätigt.

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Energie für Berlin. Im Kraftwerk Reuter West wird über riesige Rohre Fernwärme in die Stadt transportiert.
Energie für Berlin. Im Kraftwerk Reuter West wird über riesige Rohre Fernwärme in die Stadt transportiert.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Grün soll die Zukunft der Berliner Wirtschaft sein. Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft, Elektromobilität, Energiewende – alles, was sich unter dem Schlagwort „Green Economy“ einsortieren lässt, ist seit fast zehn Jahren Teil der Wachstumsstrategie des Senats. Nach den Vorstellungen der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist allerdings zu wenig passiert, um die Potenziale des Standorts auch auszuschöpfen.

Die Kammer fordert deshalb ein gefördertes, regionales Unternehmensnetzwerk, ein „Cluster“ Green Economy. Neben bereits identifizierten Wirtschaftskernen wie der Gesundheits-, Mobilitäts- und Kreativwirtschaft könne so ein neuer wirtschaftspolitischer Schwerpunkt gesetzt werden, der Berlin stärker von anderen Regionen abhebe. „Will Berlin bei diesem Rennen vorne mitspielen, müssen wir raus aus den Startlöchern“, forderte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder am Freitag. Mit mehr als 75 000 Beschäftigten in 6200 Unternehmen belege Berlin einen Spitzenplatz unter deutschen Großstädten. Dies zeige eine aktuelle Untersuchung der IHK. Aber: „Andere Regionen schlafen nicht“, warnte Eder.

Berlin müsste nach Meinung der Kammer mehr aus sich machen. Immerhin investierten die Unternehmen hier jährlich mehr als eine Milliarde Euro in umwelt- und ressourcenschonende Technologien, in der Region gebe es das längste Fernwärmenetz Westeuropas oder Deutschlands größte Versorgungs- und Entsorgungsbetriebe. Der IHK schwebt vor, das bestehende Cluster Energietechnik zu erweitern und zusätzliche Leitmärkte wie Wasser- und Kreislaufwirtschaft sowie Materialeffizienz und nachhaltige Mobilität zu definieren. „Wir wären bekloppt, wenn wir das nicht machen“, sagte Eder. „Das ist ein wirklicher Wachstumsmarkt.“

Bei Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) rennt die IHK offene Türen ein – weil Yzer nach Darstellung ihres Sprechers Urheberin der Idee ist. „Wir freuen uns, dass die IHK den Vorschlag der Senatorin aufgreift“, sagte Alexander Dennebaum. Yzer habe sich bereits zu Beginn der Haushaltsberatungen im Hauptausschuss am 16. Oktober dafür ausgesprochen, dass der Bereich der Energietechnik um die Umwelttechnik ergänzt werde, „um an dieser Stelle zeitgemäß aufgestellt zu sein“. Auch lasse die Senatorin keine Gelegenheit aus, um die Vorzüge Berlins auf dem Gebiet der Green Economy im Gespräch mit Investoren hervorzuheben. Von einem Cluster mag Yzer freilich nicht sprechen, weil sie dem Konzept von Wirtschaftskernen ohnehin kritisch gegenübersteht. Mancher wirft der Senatorin daher Untätigkeit in einigen zentralen Wirtschaftsbereichen vor.

„Frau Yzer hat sich nicht gegen die Cluster ausgesprochen, aber sie lässt sie schleifen“, glaubt auch Jan Eder. „Frau Yzer ist der Meinung, die Cluster entwickeln sich von allein. Wir sind der Meinung, dass das nicht so ist.“ Im Gesundheits-Cluster sei beispielsweise „eine wirklich gute Struktur entstanden“. Bei den Clustern Mobilität und Kreativwirtschaft fehle es hingegen an der konsequenten Umsetzung. Für ein Cluster Green Economy sieht Eder gleichwohl gute Chancen: „Es ist genug wirtschaftliche Masse vorhanden.“

Hoffnungen, dass das neue Cluster bald Realität wird, macht man sich bei der IHK allerdings nicht. „In Berlin muss man in Dekaden denken“, sagte IHK-Präsident Eric Schweitzer. Als Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages hatte er im März Ressourcenknappheit und Green Economy auf seine Agenda gesetzt. Nicht ausgeschlossen, dass er auch das Wohl seines Unternehmens, des Entsorgers Alba, im Blick hatte.

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