Greenpeace : Gift in Kleidern und Schuhen

24.08.2011 14:57 Uhr
  • In Peking zeigt Aktivistin Li Yifangin Exemplare von Markenkleidern, in denen bei einer Greenpeace-Untersuchung giftige Rückstände gefunden wurden. Die chemischen Toxide werden als... - Foto: AFP
  • Umweltschützer organisierten in verschiedenen asiatischen Städten Proteste gegen die Textilhersteller. - Foto: AFP
  • In Hongkong zeigten die Aktivisten dem Schuhhersteller Adidas die gelbe Karte und mahnen: "Spielt sauber!" (23.08.2011) - Foto: AFP

Greenpeace untersucht Marken-Sportartikel auf chemische Rückstände: In 52 der 78 getesteten Artikel werden gefährliche Stoffe entdeckt. Die Umweltschützer fordern, die gefährlichen Chemikalien komplett aus der Produktion zu verbannen.

Kleidung namhafter Hersteller enthält einer Untersuchung im Auftrag von Greenpeace zufolge Rückstände giftiger Chemikalien. Die Stoffe seien in 52 der 78 getesteten Artikel entdeckt worden, erklärte die Umweltschutz-Organisation. Greenpeace untersuchte nach eigenen Angaben T-Shirts, Jacken, Hosen, Unterwäsche und Stoffschuhe der 15 führenden Sportbekleidungsmarken. Die in 18 Ländern gekauften Artikel wurden in mindestens 13 verschiedenen Staaten hergestellt.
Untersucht wurde die Kleidung auf Rückstände der Chemikaliengruppe Nonylphenol-Ethoxylate (NPE). Aus NPE könne Nonylphenol entstehen, das hormonell wirksam sei und Wasserlebewesen bereits in niedrigen Konzentrationen schädige, erklärte Greenpeace.

Für die Träger der Kleidung ist es demnach nicht unmittelbar schädlich. Allerdings könne die langlebige Chemikalie beim Waschen in die Umwelt gelangen. Auf diesem Wege gelange sie über Trinkwasser in die Nahrungskette und in den menschlichen Körper.
Probleme ergeben sich laut Greenpeace somit nicht nur in den Herstellerländern. Obwohl in vielen Artikeln nur geringe Mengen der schädlichen Chemikalie nachgewiesen worden sei, könne in Anbetracht der großen Menge produzierter Kleidungsstücke „die freigesetzte Gesamtmenge erheblich sein“.
„Die Textilindustrie produziert ein globales Umwelt- und Gesundheitsproblem“, kritisierte der Greenpeace-Chemieexperte Manfred Santen. Dies betreffe auch Europa, obwohl der Einsatz der Chemikalie hier streng geregelt sei. „Durch den Kauf dieser Kleidung tragen auch Verbraucher unwissentlich zur Abwasserbelastung bei.“ Laut Greenpeace wurden NPE-Rückstände in Artikeln von 14 der 15 einbezogenen Marken nachgewiesen. In Deutschland kauften die Tester demnach vier belastete Artikel der Marken Kappa, Puma und Li Ning sowie der Nike-Tochter Converse. Bei Converse wies Greenpeace die Chemikalie in fünf von sechs Proben nach, bei Puma in sieben von neun getesteten Artikeln. Bei Adidas waren es vier positive Proben von insgesamt neun.
Im Juli hatte Greenpeace bereits eine erste Untersuchung veröffentlicht. Darin untersuchten die Umweltschützer Abwasser zweier Textilfabriken in China, die für große Markenhersteller produzieren. Auch hier wiesen die Labore Nonylphenol nach.
Greenpeace forderte die Textilunternehmen auf, die gefährlichsten Chemikalien vollständig aus der Produktion zu verbannen. Die Firmen müssten die verwendeten Schadstoffe vollständig deklarieren und riskante Chemikalien durch ungefährliche Alternativen ersetzen.
Puma und Nike hätten sich bereits mit den Forderungen einverstanden erklärt, erklärte Greenpeace. Beide wollten Pläne ausarbeiten, um bis 2020 auf alle gefährlichen Chemikalien in der Textilproduktion zu verzichten. Eine Sprecherin von Adidas sagte auf Anfrage, der deutsche Konzern habe bereits Grenzwerte für NPE festgelegt, die deutlich unter den Vorgaben der EU lägen. Das Unternehmen habe bereits die anderen Hersteller aufgerufen, gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten. (AFP)

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