Wirtschaft : Greenspan: Notenbankchef erwartet 2001 langsameres US-Wachstum

Das Wachstumstempo der US-Wirtschaft wird sich nach Prognosen der US-Zentralbank (Fed) im Jahr 2001 verlangsamen. Das sagte Zentralbankchef Alan Greenspan am Donnerstag vor dem Bankenausschuss des Senats. Insgesamt werde sich die US-Wirtschaft weiter ausbalancieren. Analysten nahmen die Aussage Greenspans als Hinweis, dass bei der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses im August keine weitere Leitzinserhöhung zu erwarten ist. Die Fed hat die Leitzinsen zuletzt im Mai angehoben. Sie liegen seither bei 6,5 Prozent, der höchste Stand seit neun Jahren. Die Wall Street verzeichnete am Vormittag starke Kursgewinne.

Nach den Worten Greenspans rechnet die Fed für 2001 mit einem Wachstum zwischen 3,5 und 3,75 Prozent. Für dieses Jahr korrigierte er die Prognose auf 4,0 bis 4,5 Prozent nach oben. Im Februar hatte die Fed noch mit 3,5 bis 3,75 Prozent Wachstum gerechnet. Steigende Energiepreise dürften gleichzeitig den Inflationsdruck erhöhen, sagte Greenspan. Er rechne in diesem Jahr mit einer Inflationsrate von 2,5 bis 2,75 Prozent und im kommenden Jahr von 2,0 bis 2,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote wird dieser Prognose zufolge weiter um die vier Prozent betragen.

Unterdessen hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen am Donnerstag erwartungsgemäß unverändert gelassen. Angesichts der weiterhin bestehenden Inflationsgefahren im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs rechnen die meisten Analysten jedoch ab September mit einer Anhebung der Zinsen. Der Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte betrage weiterhin 4,25 Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag im Anschluss an die Ratssitzung mit. Frankreichs Finanzminister Laurent Fabius nahm in seiner Funktion als derzeitiger Vorsitzender des EU-Finanzministerrates an den geldpolitischen Beratungen teil. Fundamentaldaten und Wachtumstrend in der Euro-Zone seien gut, sagte er im Anschluss an die Sitzung.

Auch den Zinskorridor für den Euro-Geldmarkt ließen die Euro-Währungshüter unverändert. Er bleibe bei 3,25 Prozent für die Übernacht-Einlagen von Geschäftsbanken bei der EZB (Einlagenfazilität) und 5,25 Prozent für Übernacht-Kredite (Spitzenrefinanzierung), teilte die Notenbank weiter mit. Der Euro ragierte kaum auf den EZB-Zinsbeschluss und pendelte um 0,9250 Dollar. Auf die Frage nach den jüngsten Kursverlusten des Euro sagte Fabius: "Ich hoffe, es wird bergauf gehen. Wir versuchen unser Bestes, einen starken Euro zu bekommen, aber es hängt von den Märkten ab."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben