Wirtschaft : Greenspans Maß

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Erstmals seit vier Jahren hat die USNotenbank Federal Reserve (Fed) unter Chef-Notenbanker Alan Greenspan in der vergangenen Woche den Leitzinssatz erhöht, und zwar um 25 Punkte auf 1,25 Prozent. Damit setzte er die angekündigte „maßvolle“ Anhebung um. Greenspan hat über lange Zeit auf eine ultraexpansive Geldpolitik gesetzt. Die Frage ist, ob er zu lange gezögert hat und so zugelassen hat, dass die Inflation ansteigt – und zwar mit noch viel weitreichenderen Folgewirkungen. Ganz offenbar haben die Preissteigerungen der letzten Monate die Notenbank überrascht. Schließlich liegt die Gefahr einer maßvollen Zinsanhebung darin, dass man riskiert, der Inflationskurve stets hinterher zu hinken.

Alan Greenspan hat immer wieder gesagt, es bestehe kein Grund zur Sorge, und wir hoffen, dass er Recht hat. Aber der jüngste Preisanstieg ist nunmal kein Trugbild. Die Preise für private Konsumausgaben stiegen im Mai um 0,5 Prozent, der größte Sprung in vier Jahren. Wenngleich das überwiegend auf die Energiepreise zurückzuführen ist, legt die Kerninflation (ohne Energie- und Lebensmittelpreise) offenbar schneller zu als die zwei Prozent, die manche US-Zentralbanker als Ziel angeben.

Die aktuellen US-Konjunkturdaten sind solide genug, um realistische Zinssteigerungen zu überstehen. Die Anreizwirkung von Bushs Steuersenkungen behält ihre Gültigkeit, und sowohl das Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen in einen anhaltenden Aufschwung sind stark.

Zeiten steigender Zinssätze bringen historisch gesehen immer finanzielle Verluste mit sich. Nach 17 Jahren als Fed-Chef weiß Alan Greenspan sehr gut, dass jeder Zentralbanker die Zinsen senken kann. Wirkliche Größe zeigt hingegen der, der weiß, wann und in welchem Umfang sie zu erhöhen sind.

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