Wirtschaft : Greenspans Pessimismus drückt die Kurse

Neuordnung der deutschen Aktienindizes: Altana ersetzt Degussa im Dax

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Frankfurt (Main) (scc/HB/Tsp). Mit starken Verlusten haben deutsche Aktien am Mittwoch auf die pessimistische Konjunkturprognose der US-Notenbank Fed reagiert. Fed-Chef Alan Greenspan hatte am Dienstag die Leitzinsen zwar unverändert gelassen, aber dennoch Zweifel an einer schnellen Erholung der amerikanischen Wirtschaft geäußert. Analysten sahen darin ein Eingeständnis, dass es der US-Wirtschaft derzeit nicht gut geht. Die Auswirkungen der am Vorabend in Frankfurt bekannt gegebenen Neuordnung der deutschen Aktien-Indizes wurden von der allgemein schlechten Börsenstimmung überschattet. Vor allem die Aktien der Finanzbranche verloren an Wert. Der Deutschen Aktienindex (Dax) schloss bei 3589,92 Zählern um 2,5 Prozent niedriger als am Dienstag. Der Nemax50 rutschte um 2,9 Prozent auf 474,71 Zähler. In New York erholten sich die Aktien zuletzt. Der Dow Jones stand zum Handelsschluss in Deutschland bei 8532 Punkten (plus 0,6 Prozent). Die US-Börsen hatten am Dienstag in Reaktion auf den Ausblick der Fed stark nachgegeben. Für eine Überraschung hatte am späten Dienstagabend die Deutsche Börse gesorgt: Der Chemiespezialist Degussa muss dem Pharmaunternehmen Altana Platz im Dax machen. Anders als von vielen Experten erwartet, fliegen damit nicht Epcos oder gar MLP nach dem 20. September aus dem Index.

Den Spezialchemiekonzern Degussa hatten viele schon von ihrer Rechnung gestrichen, schließlich rutschte dessen Streubesitzanteil auch nach dem Übernahmeangebot des Essener Kohlekonzerns RAG nicht unter die für eine Indexmitgliedschaft maßgebliche Grenze von fünf Prozent. Auch die anderen maßgeblichen „harten“ Kriterien wie Handelsumsätze und Marktkapitalisierung wurden erfüllt. Zum Verhängnis wurde der Degussa der Ermessensspielraum, den der Arbeitskreis Aktienindizes als so genanntes „weiches“ Kriterium in seine Entscheidungen mit einfließen lässt. Bei der Degussa schrumpfte der Anteil der frei handelbaren Aktien durch das öffentliche RAG-Angebot von 35,22 Prozent auf etwa sieben Prozent.

Weniger spannend ging es im M-Dax, S-Dax und Nemax50 zu. Wer hier rausflog, hatte sich wie die insolvente Cargolifter selbst disqualifiziert oder stolperte über den Aderlass seiner Aktie wie Concord Effekten oder Gold Zack. Consors oder Rhein Biotech werden dem Nemax50 nicht mehr angehören, weil ihr Streubesitz durch die Übernahme von BNP Paribas beziehungsweise Berna Biotech geschrumpft ist. Bereits zum 16. August rückt Augusta Technologie in den Nemax50 auf. Auch Viva Media und Micronas Semiconductor steigen auf.

Künftig will die Börse Index-Entscheidungen schneller als bisher fällen. Wird gegen ein Unternehmen ein Insolvenzverfahren eröffnet, kann die Börse die Aktie bereits nach zwei Handelstagen entfernen. Das Gleiche gilt, wenn der Streubesitz (Anteil der frei handelbaren Papiere an der gesamten Aktienzahl) unter fünf Prozent fällt. Rutscht ein Dax-Wert für längere Zeit nach Umsatz oder Börsenwert unter Rang 45, ist künftig vierteljährlich ein Wechsel im Dax möglich. Bisher wurde nur einmal im Jahr entschieden.

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