Wirtschaft : Griechen bekommen mehr Kredit IWF gibt dritte Tranche frei

Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat einen Kredit für Griechenland in Höhe von 2,5 Milliarden Euro freigegeben. Es handele sich um den dritten Teil der Griechenland im Mai zugesagten Hilfen, teilte der IWF in Washington mit. Damit wurden bislang Kredite in Höhe von 10,6 Milliarden Euro freigegeben. IWF und EU gemeinsam haben dem hoch verschuldeten Griechenland 110 Milliarden Euro an Krediten zugesagt. Die griechische Regierung muss dafür ein rigides Sparpaket durchsetzen.

Der IWF lobte, die Regierung in Athen setze die „schwierigen und ehrgeizigen“ Reformen mit großem Nachdruck um. Die Ergebnisse seien „beeindruckend“. So gehe die Inflation zurück, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes nehme zu. Zugleich warnte der IWF, die griechische Wirtschaft werde im kommenden Jahr um 3,0 Prozent schrumpfen und damit mehr als bislang erwartet. Bisher war der Währungsfonds von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 2,5 Prozent ausgegangen. 2010 schrumpfte die Wirtschaft demnach um 4,2 Prozent.

Bereits am Donnerstag hatte der IWF einen auf drei Jahre Laufzeit ausgelegten Kredit in Höhe von 22,5 Milliarden Euro für Irland freigegeben. Deutsche Banken sind nach Schätzungen des IWF stärker als andere ausländische Kreditinstitute in Irland engagiert. Sie haben dort Kredite in Höhe von 113 Milliarden Euro vergeben, wie aus dem am Freitag (Ortszeit) in Washington veröffentlichten Bericht hervorgeht. Dies entspreche 1,8 Prozent ihres Kapitals. Britische Banken sind demnach mit 107 Milliarden Euro in Irland engagiert, US-Banken mit 47 Milliarden Euro. Zwischen 2003 und 2007 hat eine Immobilienblase den Finanzsektor Irlands aufgebläht. Damals verdoppelte sich nahezu die Zahl der Kredite, die Privatleute meist zur Finanzierung von Eigenheimen aufnahmen. Inzwischen ist die Immobilienblase allerdings geplatzt, zahlreiche Bankkunden können ihre Kredite nicht mehr angemessen bedienen.

Bei den Finanzhilfen für Griechenland und Irland hat die EU nach den Worten von Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde absichtlich gegen ihre eigenen Regeln verstoßen. „Wir verletzten alle Rechtsvorschriften, weil wir einig auftreten und wirklich die Euro-Zone retten wollten“, wurde Lagarde am Samstag vom „Wall Street Journal“ zitiert. „Der Vertrag von Lissabon war eindeutig. Keine Rettungsaktionen.“

Unterdessen gibt es auch trotz des heftigen Widerstands von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der CDU Befürworter einer gemeinsamen Kreditaufnahme der Euro-Länder. Er könne sich derartige Anleihen durchaus vorstellen, sagte der saarländische CDU-Ministerpräsident Peter Müller dem „Spiegel“. „Es kommt darauf an, wie man diese gestaltet.“ Entsprechende Bedingungen könnten das Zinsrisiko für Deutschland begrenzen. Merkel wehrt sich gegen die Emission von Euro- Bonds, weil damit das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit eines einzelnen Euro- Landes auf die gesamte Gruppe umgewälzt werde. AFP/rtr

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