Wirtschaft : Griechen belasten Berlins Förderbank

Investitionsbank muss 2011 Staatsanleihen abschreiben – aber das Fördergeschäft wächst.

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Foto: promo
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Berlin - Es hätte ein sehr gutes Jahr für die Investitionsbank Berlin werden können – doch dann kam Griechenland. „2011 war wegen außerordentlicher Belastungen ein gutes Jahr, kein sehr gutes“, sagte Ulrich Kissing, IBB-Vorstandsvorsitzender, am Donnerstag. Weil die Förderbank des Landes Berlin am Schuldenschnitt teilnahm und griechische Staatsanleihen im Wert von 75 Millionen Euro abschreiben musste, verdoppelte sich die Risikovorsorge des Instituts im vergangenen Jahr auf mehr als 82 Millionen Euro. „Wir mussten aber nicht an unsere Reserven“, sagte Kissing.

Am Ende eines Jahres „mit Höhen und Tiefen“ sei die IBB „gut unterwegs“ und ihre Förderaufgaben seien nicht gefährdet: Das wirtschaftliche Ergebnis stieg 2011 leicht um 1,4 Millionen Euro auf 55,5 Millionen Euro. Nach Abzug von Förderleistungen (33,2 Millionen Euro), die eine Vorabausschüttung an das Land darstellen, blieb ein Jahresüberschuss von 22,3 Millionen Euro übrig – 200 000 Euro mehr als 2010. Keine großen Sprünge, aber eine solide Entwicklung angesichts der Turbulenzen auf den Märkten.

Diese könnten die IBB im laufenden Jahr durchaus noch einmal treffen, gab Kissing zu bedenken. Doch blicke man insgesamt optimistisch in die kommenden Monate – auch dank der guten Konjunktur in Berlin. Im Wertpapierportfolio der IBB (3,4 Milliarden Euro) finden sich zwar noch Staats- und Bankanleihen aus Portugal, Spanien und Italien im Nennwert von rund 460 Millionen Euro. Die bereits um mehr als die Hälfte abgeschriebenen Positionen würden aber weiter abgebaut, „ohne große Schleifspuren zu hinterlassen“, sagte Kissing. Die Risikovorsorge soll wieder unter das Niveau von 2010 gedrückt werden. Das erste Quartal sei bereits „über Plan“ verlaufen.

Dennoch müsse die Bank in ihrer Anlagepolitik einen „Paradigmenwechsel“ verkraften, weil Staatsanleihen nicht mehr – wie früher angenommen – verlässlich gute Renditen böten. Angesichts der vom Eigentümer, dem Land Berlin, vorgegebenen Förderverpflichtungen der IBB laufe dies mit Blick auf die Ertragslage durchaus auf einen „Kraftakt“ für die Bank hinaus. Gleichwohl schätzt die IBB, dass sie das Neugeschäftsvolumen in der Wirtschaftsförderung des Jahres 2011 (1,2 Milliarden Euro) wieder erreichen kann. Insbesondere in den Bereichen Industrie und Dienstleistungen werde in Berlin investiert.

Das Finanzierungsvolumen in der Wirtschaftsförderung, in der die IBB gemeinsam mit privaten Banken Gründungs- und Wachstumsdarlehen und -zuschüsse gewährt, kletterte 2011 auf knapp 463 Millionen Euro. Darin enthalten waren kräftig gestiegene Globaldarlehen in Höhe von 100 Millionen Euro an Geschäftsbanken, die diese an Berliner Mittelständler weiterleiteten. 80 Prozent der Finanzierungszusagen gingen an Unternehmen aus den von Berlin besonders geförderten Clustern, wobei der Bereich „Verkehr, Mobilität und Logistik“ den größten Anteil bekam. Ausbauen wird die IBB das Geschäftsfeld Immobilien- und Stadtentwicklung, in dem sie sich auch höhere Erträge verspricht. Hier machte die IBB 2011 Finanzierungszusagen in Höhe von 744 Millionen Euro. Wachstum verspricht sich das Institut vor allem bei der energetischen Gebäudesanierung und dem Wohnungsneubau.

Darüber, inwieweit sich die verschobene Eröffnung des Großflughafens auf die IBB auswirken wird, wollte Vorstandschef Kissing nicht spekulieren. „Wir sind in Diskussionen über einen möglichen zusätzlichen Finanzierungsbedarf“, sagte er. Die Eigentümer des Flughafens müssten entscheiden, ob der Bedarf über mehr Fremd- oder mehr Eigenkapital gedeckt werde.

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