Wirtschaft : Griechen besorgen sich weiteres Geld

Athen - Griechenland hat sich am Kapitalmarkt erneut Geld besorgt und sich damit eine weitere Atempause verschafft. Der pleitebedrohte Staat lieh sich durch eine Versteigerung dreimonatiger Geldmarktpapiere 937,5 Millionen Euro, teilte die für das Schuldenmanagement zuständige Finanzagentur PDMA am Donnerstag mit. Dafür wird ein durchschnittlicher Zins von 4,43 Prozent fällig. Damit hat sich Griechenland in dieser Woche insgesamt fünf Milliarden Euro von Anlegern geholt.

Das Geld wird dringend benötigt, um eine am 20. August auslaufende Staatsanleihe im Wert von 3,2 Milliarden Euro zurückzuzahlen. Weitere 1,6 Milliarden Euro werden bereits am 17. August fällig. Diese Summe muss Griechenland der Europäischen Zentralbank zurückzahlen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bekräftigte am Donnerstag seine Ablehnung weiterer Hilfen für Griechenland. „Es ist jedem klar, dass wir kein weiteres Griechenlandpaket auf den Weg bringen können. Das wollen wir aber auch gar nicht“, sagte er im ARD- „Morgenmagazin“. Das Land müsse vereinbarte Reformen auf den Weg bringen. „Wir sind gerne bereit, bei der Umsetzung von Reformen auch zu helfen“, sagte der Minister. Ein stärkeres Schrumpfen der dortigen Wirtschaft hatte Spekulationen befeuert, wonach das Land mehr Hilfe braucht. In der nächsten Woche kommt Premier Antonis Samaras nach Berlin und Paris, um eine Streckung des Sparprogramms zu erreichen.

Die Ankündigung weiterer Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank hat unterdessen in der schwarz-gelben Koalition eine breite Debatte über eine Reform der EZB ausgelöst. Während vor allem Politiker aus CSU und FDP eine neue Stimmengewichtung im EZB-Rat und ein Verbot der Anleihenaufkäufe forderten, warnte der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Michael Meister vor einer „Phantomdiskussion“. Es stelle sich zurzeit nicht die Frage nach einer Änderung des EZB-Status“, sagte Meister. Er erinnerte zudem daran, dass die EZB auf deutschen Wunsch als Einrichtung installiert wurde, die von politischer Einflussnahme unabhängig und allein dem Ziel Preiswertstabilität verpflichtet ist. „Wir sehen keinen Grund dafür, daran zu rütteln“, betonte der CDU-Finanzpolitiker. rtr/dpa

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