Wirtschaft : Griechen erheben Steuer auf Luxusautos

von

Athen - Als Philippos Verginis den schwarzen Jeep Grand Cherokee vor zwei Monaten in Zahlung nahm, glaubte er an ein gutes Geschäft. Ein Notverkauf, der Besitzer brauchte dringend Geld: Für 12 000 Euro kaufte der Autohändler Verginis den erst zwei Jahre alten Wagen an, in der Hoffnung, rund das Doppelte dafür zu erlösen. Dann kam die Luxussteuer. Jetzt weiß Verginis es besser: „Ich kann froh sein, wenn ich einen Käufer finde, der mir 10 000 Euro für das Auto gibt.“

Große Autos, vor allem Geländewagen, waren in Griechenland bisher ein Prestigeobjekt. In Athen seien mehr Porsche Cayenne, BMW X5 und Mercedes ML unterwegs als in jeder anderen europäischen Hauptstadt, behaupten Marktkenner. Bis das griechische Parlament im Juli die Einführung einer neuen Luxussteuer beschloss. Sie trifft vor allem die Besitzer großer Autos, wobei „groß“ relativ ist, denn die Steuer greift schon ab 1,93 Liter Hubraum. Für ein Fahrzeug dieser Größe werden im Jahr 418,70 Euro fällig. Das klingt noch moderat. Aber so richtig teuer wird es für die Halter der Geländewagen mit ihren Sechs- und Achtzylindermotoren. Für vier Liter Hubraum kassiert der Fiskus 2980 Euro im Jahr, für fünf Liter und mehr sogar 4180 Euro.

Die Folge: Große Autos sind in Griechenland über Nacht fast unverkäuflich geworden, egal ob neu oder gebraucht. „Über 1,6 Liter Hubraum läuft fast gar nichts mehr“, erklärt der Autohändler Verginis. Er zeigt auf einen 5er BMW auf seinem Hof: „Solche Autos stehen jetzt wie Blei.“ Importeure von Luxusmarken gehen jetzt in Griechenland schweren Zeiten entgegen. Ohnehin hat die Krise ihnen zugesetzt: Wurden 2008 in Griechenland noch fast 4500 Neuwagen mit mehr als drei Litern Hubraum zugelassen, waren es 2012 ganze 60 Exemplare. Porsche verkaufte 2009 in Griechenland immerhin 336 Autos. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 24. Bentley, Ferrari und Lamborghini haben in den vergangenen drei Jahren keinen einzigen Neuwagen in Griechenland absetzen können. Mercedes erlitt einen Einbruch von 6525 verkauften Fahrzeugen im Jahr 2009 auf 748 im vergangenen Jahr. Die neue Luxussteuer dürfte die Zulassungszahlen weiter in den Keller drücken. Gerd Höhler

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar